“Embeds” – die “eingebetteten” Kriegsreporter

von Dr. Thomas Müller, Autor des 2011 erschienenen Buchs “Von Troja bis PSYOPS. Facetten der psychologischen Kriegsführung“, Ibidem-Verlag Stuttgart. Er arbeitet in der Management- und Organisationsentwicklung sowie als wissenschaftlicher Coach. In der Schweizer Armee ist er bis Ende 2012 Chef Medien der Logistikbrigade 1.

 
Der damalige Agenturchef des “Time Magazine” für den Irak, Michael Ware, schreibt über seinen Kriegseinsatz als Reporter im Jahr 2003:

Ich war mit dem 3. Platoon unterwegs. Die Soldaten fragten mich: ‚Wo willst du sein?’ Ich sagte: ‚Jungs, genau dort, wo ihr seid!’ So war ich also beim 3. Platoon. Es war das erste, das den Fuss in die Stadt Fallujah setzte. Sie zogen den Kampf eine ganze Woche lang durch. Und ich war Seite an Seite mit ihnen. Ohne das hätte ich keine Ahnung von der Wahrheit.

 
Kampf der Interessen
Michael Ware war ein “embedded Journalist”, ein in die Truppe “eingebetteter” ziviler Berichterstatter. Dieser Status ist der vorläufig letzte Versuch, für ein Spannungsfeld, das so alt ist wie der Krieg, eine Regelung zu finden. Die Regierung, das Militär und die Medien verfolgen ganz unterschiedliche Interessen. Der Regierung geht es darum, ihr Vorgehen vor dem In- und Ausland zu legitimieren; es geht um Allianzen, Budgets, Wahlen. Für das Militär wiederum steht die “operational Security” im Zentrum, also die Sicherheit ihrer Operationen, und die Vertrauenswürdigkeit der Generalität. Der Journalist wiederum will sich umfassende Informationen beschaffen, im Verdrängungsmarkt der Medienindustrie verkaufbare Stories produzieren, wobei die schlechten Nachrichten die besten sind – und das alles möglichst ohne Behinderung durch Zensur. Doch diese bleibt nicht aus. So füllten die deutschen Zensurvorschriften im Ersten Weltkrieg ein ganzes Buch. Und John F. Kennedy sagte 1961, nach der missglückten Invasion an der kubanischen Schweinebucht: “Jede Zeitung fragt sich in Bezug auf ein Ereignis: ‚Ist das eine gute Story?’ Ich schlage vor, dass man sich zusätzlich fragt: ‚Ist das im Interesse der nationalen Sicherheit?’”

Ein sichtlich erschöpfter US-Marine im Vietnamkrieg. Das Fernsehen brachte den Vietnamkrieg in die Stuben der Familien. (Foto: Bettmann / Corbis, 01.02.1968)

Ein sichtlich erschöpfter US-Marine im Vietnamkrieg. Das Fernsehen brachte den Vietnamkrieg in die Stuben der Familien. (Foto: Bettmann / Corbis, 01.02.1968)

Von Vietnam zum Golfkrieg 1991
Der Vietnamkrieg (1964–75) wurde auch als “living room war” bezeichnet, als “Krieg im Wohnzimmer”. In die gute Stube, wo man “Lassie” und “Flipper” schaute, brachte das Fernsehen noch nie da gewesene, schockierende Bilder. Eine Zensur gab es nicht. Kein Wunder, dass sich der Mythos etablierte, der Vietnamkrieg sei zu Hause in den USA aufgrund der Medienberichte verloren worden. Eine Analyse hat allerdings ergeben, dass nur in 22 % aller spezifischen Sendungen Kampfhandlungen zu sehen waren und nur in 24 % Tote und Verwundete (vgl.: Bernie Cook, “Over my dead body: the ideological use of dead bodies in network news coverage of Vietname“, Quarterly Review of Film and Video, 18:2 (2001), p. 203-216). Das amerikanische Volk stand – Medien hin oder her – nie geschlossen hinter diesem Einsatz in Fernost.

Man lernte schnell: Im Falklandkrieg von 1982 galt für die britischen Medien eine strenge Zensur, die so weit ging, dass TV-Kameras schlichtweg verboten wurden. Und ein Jahr darauf, bei der US-Invasion in Grenada, betraten die Medienleute nicht einmal den dortigen Boden, sondern wurden nach Barbados geflogen und dort vom Militär mit Material für ihre Berichterstattung bedient. Aufgrund heftiger Kritik aus Medienkreisen schlug die US-Administration erstmals im Rahmen der Panama-Invasion 1989 einen neuen Weg ein, der sich mit dem Golfkrieg von 1991 einbürgern sollte: jenen der Pools. Aus der Unzahl von Journalisten wurde ein kleiner Bruchteil in Gruppen eingeteilt, denen vor Ort der Zugang zu Informationen ermöglicht wurde und die diese an ihre nicht zugelassenen Berufskollegen weiterzugeben hatten. Dieses Vorgehen, das sich ursprünglich der Initiative der Medien verdankte, stellte niemanden richtig zufrieden, auch die Journalisten nicht. Sie zahlten mit ihrer Unabhängigkeit für einen Zugang zum Geschehen, der zwar besser, aber noch nicht zureichend war.

Das “Embedding”
Auf Initiative von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kam im Oktober 2002 das Konzept des “Embedding” zustande. Es sah vor, dass Medienleute in die Truppe integriert wurden. Das brachte den Journalisten den Vorteil, mitten im Geschehen zu sein und über einen längeren Zeitraum am Thema bleiben zu können. Zudem konnten sie Ereignisse personalisieren und waren nicht gezwungen, das zusammengetragene Material mit Berufskollegen zu teilen. Zu Beginn des Irakkriegs 2003 fand der Begriff des “Embedding” grosse Verbreitung in Medien und Bevölkerung, ja er wurde zum Modewort des Jahres.

Mitten drin anstatt nur dabei: die "Embeds" müssen sich in die EInheit integrieren, wenn sie Kampfsituationen heil überstehen wollen. Dadurch könnten sie ihre Objektivität vernachlässigen. (Foto: Jerome Sessini / In Visu / Corbis, Kämpfe in Falluja, 17.11.2004).

Mitten drin anstatt nur dabei: die “Embeds” müssen sich in die EInheit integrieren, wenn sie Kampfsituationen heil überstehen wollen. Dadurch könnten sie ihre Objektivität vernachlässigen. (Foto: Jerome Sessini / In Visu / Corbis, Kämpfe in Falluja, 17.11.2004).

Wollten die Medienleute im “Embed”-Programm mitmachen, mussten sie vorab eine einwöchige militärische Grundausbildung absolvieren, das “Media Boot Camp”. Im Hinblick auf die Operation “Iraqi Freedom” waren das über 600 Personen, zunächst 58 im November 2002. Sie wurden auf einem Schlachtschiff über die Sicherheitsvorschriften und das Wichtigste im Zusammenhang mit Marschflugkörper instruiert. Dann machte man sie beim US Marine Corps mit direktem Feuer, atomarer, biologischer und chemischer Kriegsführung, Minen, erster Hilfe im Gefecht, taktischen Märschen, Verhalten bei der Gefangennahme durch den Gegner und militärischen Begriffen vertraut. Sie schliefen in Betonbaracken, standen um fünf Uhr auf und erhielten militärische Bekleidung und einen Kevlar-Helm. Ein Teilnehmer beschrieb das Ganze als “abwechselnd spannend, unterhaltsam, erschreckend und körperlich äusserst anstrengend”. Er lernte, im Gefecht zu überleben, und bekam eine konkrete Vorstellung davon, wie die Männer im Platoon, in das er eingeteilt würde, lebten. Für die Beziehung zwischen ihm und den Marines würde es entscheidend sein, mit diesen zu marschieren, zu trinken, sich mit ihnen auszutauschen. Das Camp war aber nicht jedermanns Sache, und so berichteten gewisse Journalisten freimütig, dass sie das Programm aufgegeben hätten.

Die Reporter unterschrieben einen Vertrag betreffend den Einsatzregeln. Sie durften über keine laufenden Operationen berichten, ebenso betreffend Truppenstärken oder anstehende Aufträge. Ein eigenes Fahrzeug war untersagt. Zudem erklärten sie, Regierung und Militär von jeglicher Haftung für körperliche Schäden zu befreien. Als der Krieg begann, berichteten die “Embeds” von Flugzeugträgern aus, aus Einheiten der Special Forces, der 3. Infanterie- und der 1. Marinedivision.

Medienfreiheit: nur bedingt
Zwar konnten sich die US-Medien auf den Information Freedom Act berufen, der in seiner Fassung von 1974 die staatlichen Instanzen verpflichtet, den Bürgern interne Informationen zur Verfügung zu stellen, und in der Tat genossen sie auch einen nicht geringen Grad an Freiheit. Doch dieser wurden auch Grenzen gesetzt. So waren bis April 2005 Bilder mit Särgen von US-Soldaten verboten, ebenso die Publikation von Leichenteilen und toten Soldaten. Eine externe Agentur betrieb im Auftrag der Regierung ein systematisches Monitoring der Berichterstattung. Unbotmässigen Journalisten wurde die weitere Akkreditierung verweigert. Es konnte aber auch in den Medienhäusern hart zu- und hergehen. So gab der neuseeländische Pulitzer-Preis-Träger Peter Arnett dem irakischen Fernsehen 2003 ein Interview, in dem er die US-Angriffe auf Bagdad analysierte, und wurde vom Sender NBC entlassen.

Der Job der “Embeds” war mit grossen Risiken verbunden. So kamen während der nicht einmal zwei Monate dauernden Operation “Iraqi Freedom” insgesamt 16 von 600 Journalisten ums Leben, u. a. der deutsche “Focus“-Journalist Christian Liebig. Die Todesrate unter den Medienleuten war 45mal höher als jene der Truppe.

Geteilte Bilanz
Als nach dem Krieg Bilanz gezogen wurde, äusserten sich die Medienleute durchaus positiv. Ein Mann von NBC sagte, das Ganze sei “äusserst gut” gelaufen und alle die unterschiedlichen Einzelbilder würden ein “vollständiges Bild” ergeben. Der Leiter der CNN-Redaktion in Kuwait sprach von einem Gewinn für die Öffentlichkeit, die Medien und das Militär. Das umfassende Training im Boot-Camp und die Erfahrungen im täglichen Fronteinsatz hätten eine hervorragende Berichterstattung möglich gemacht.

"Embeds" - unnötige Belastung für die Truppe? US-Marines des 3. Infanteriebatallions bereiten sich vor um im Osten von Baghdad eine Brücke in Besitz zu nehmen. Ein eingebetteter Reporter (links) telefoniert mit seiner News-Redaktion während den Kämpfen. (Foto: Christophe Calais / Corbis, 06.04.2003)

“Embeds” – unnötige Belastung für die Truppe? US-Marines des 3. Infanteriebatallions bereiten sich vor um im Osten von Baghdad eine Brücke in Besitz zu nehmen. Ein eingebetteter Reporter (links) telefoniert mit seiner News-Redaktion während den Kämpfen. (Foto: Christophe Calais / Corbis, 06.04.2003)

Es gab aber auch kritische Stimmen. Die fehlende Distanz war die Kehrseite der guten Beziehung, welche die Medienleute mit der Truppe eingingen. Sie standen mit den Soldaten physische Strapazen durch, fühlten sich von den Männern anerkannt. Das konnte so weit gehen, dass die Journalisten nach Hause flogen mit dem schlechten Gefühl, “ihre Jungs” im Irak zurückzulassen. Einen übergeordneten Rahmen liess die Berichterstattung der “Embeds” leider meist zu wünschen übrig. Sie klebten notgedrungen am Detail, hatten nichts vor sich als einen winzigen Ausschnitt aus komplexen Zusammenhängen. Der deutsche Kabarettist Matthias Beltz schrieb: “Wir erfahren nichts, das aber stundenlang.” Und Friedrich Nowottny, bis 1995 Intendant des Westdeutschen Rundfunks, äusserte 2003: “Der Blick des Journalisten fällt durch den Sehschlitz des Panzers. Und der ist nicht sehr gross.”

Auch das Militär war nicht nur glücklich über das “Embedding”. Beiläufige Aussagen von der Front gelangten schnell ans Pentagon, an die hohen Kommandostellen und die Öffentlichkeit. Themen wie Essensrationen oder das Töten von Zivilisten sorgten bald für rote Köpfe. Es ging nicht lange, und aus der Äusserung eines Frontoffiziers konnte offene Kritik entstehen, der sich auch ehemalige Generäle anschlossen: Machte die Kriegsplanung von Verteidigungsminister Rumsfeld Sinn? Hatte die Administration erwartet, die Amerikaner würden von den Irakis mit offenen Armen empfangen? Bekannt wurde der Fall von Generalleutnant William S. Wallace, dem Kommandeur des 5. Army-Korps. Er hatte polemisch geäussert, dass “der Feind, gegen den wir kämpfen, etwas anders ist als jener in unseren Kriegsspielen” (Quelle: Richard Wallace, “Allied Generals Draw Up New Iraq War Plan“, The Mirror). Seine Aussage wurde von Regierungskritikern unterschiedlicher Couleur aufgegriffen, was so weit ging, dass sich das Weisse Haus eine umfassende Kontrolle dessen ausbedingte, was die “Message Machine” produzierte.

Heiss gelaufene Medienindustrie
Was die Kommunikation anbelangt, bewegen sich Regierung, Militär und Medien in einem immer komplexeren und sich stetig beschleunigenden Umfeld. Dieses muss man sich vor Augen halten, wenn man das “Embedding” in einem grösseren Rahmen sehen will. Das Internet bietet jedermann zugängliche Informationen. Dabei ist nicht deren Quantität das Problem, sondern die Qualität. Es stellt sich das sich sogenannte Informationsparadox ein: Wir haben viel zu viel Informationen, die wir gar nicht gebrauchen können, und viel zu wenig Schlüsselinformation. Die Auswahl ist schwieriger geworden als die Beschaffung. Eine bekannte Wendung bringt es auf den Punkt: “We are overnewsed, but underinformed.” Hinzu kommt, dass es zu den Mainstream-Medien immer mehr Alternativen gibt, z. B. Weblogs, Warlogs, ausländische Sender. Und schliesslich kann jedermann im weltweiten Netz gleichzeitig Informationsempfänger sein und Urheber von Information – demokratisch, nahezu kostenlos, überall, ohne Qualitätskontrolle.

Wir leben im Zeitalter der “Perception”, der Wahrnehmung. Es zählt nicht, was etwas an sich ist (z.B. ein Krieg), sondern wie es wahrgenommen wird. In den USA gibt es bereits mehr Public-Relations-Fachleute als Journalisten. So war die US-Verantwortliche für die “Public Diplomacy” im Jahr 2001, Charlotte Beers, zuvor Produktmanagerin für “Uncle Ben’s Rice“. Sie musste sich das naheliegende Wortspiel gefallen lassen, ob sie nun auch Uncle Sam verkaufen wolle. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Streitkräfte selbst aktiv geworden sind mit Homepages für ihre Operationen und mit “Militainment”, das auf lockere Weise die richtige Botschaft in die Herzen und Köpfe bringen soll, und das durchaus unter Inkaufnahme einer “Hollywoodisierung” der Kriegsberichterstattung. Hinzu kommen raffinierte Formate, die an Videospiele erinnern, oder die berühmt gewordenen Video-Aufnahmen aus den Cockpits der Kampfbomber, die 1991 einen sauberen Hightech-Krieg im Mittleren Osten suggerieren sollten. In diesem Rahmen muss sich der “Embed” seinen Platz suchen. Und es gibt Beispiele, wo das gelungen ist. Das entscheidende Kriterium ist die Authentizität.

Das World Press Photo des Jahres 2007: Tim Hetherington fotografierte einen erschöpften GI in Afghanistan.

Das World Press Photo des Jahres 2007: Tim Hetherington fotografierte einen erschöpften GI in Afghanistan.

Afghanistan: Hetherington und Junger
So lieferten der 2011 in Libyen getötete britische Fotograf Tim Hetherington und der US-Journalist Sebastian Junger in ihrem Dokumentarfilm “Restrepo” einen schonungslosen Augenzeugenbericht aus Afghanistan. Hetherington war bereits 2007 berühmt geworden mit seiner Aufnahme eines unbekannten US-Soldaten bei einem Bunker in Afghanistan, die zum Foto des Jahres gekürt wurde. Der Film trägt den Namen des 20jährigen Sanitäters Juan Restrepo, der im Juli 2007 im Korengal-Tal fiel. Dieses Tal war, so ein Einheitskommandant, “der tödlichste Ort der Welt”. Zwischen Mai 2007 und Juli 2008, vier Mal, befanden sich Hetherington und Junger im Auftrag von “Vanity Fair” u. a. auch in einem amerikanischen Vorposten im Korengal-Tal. Der 15köpfige Platoon aus der 173rd Airborne Brigade hatte den Auftrag, zu sichern, vorzustossen und den Gegner – die Taliban – zu vernichten. Die Männer benannten den Stützpunkt nach Juan Restrepo und hausten zwischen Hütten, Gruben und Sandsäcken, ohne fliessendes Wasser, Strom und Internet. Als beschwipste “Babyface-Killer” waren sie in den Krieg gezogen und erlebten nun die Härten des Soldatenalltags. Einer von ihnen sagt im Film: “Heilige Sch…, auf das sind wir nicht vorbereitet.”

Hetherington sagte über den mehrfach preisgekrönten und für den Oscar nominierten Film: “Wir wollten einen tiefschürfenden Kriegsfilm machen. Nur die Soldaten reden lassen und den Leuten daheim zeigen, dass diese Männer nicht dumm sind.” Im Film begegnen keine Kommentare und Sprecher; es gilt, die Männer und Bilder von ihrem Einsatz sprechen lassen, manchmal unterbrochen mit Fragen. Junger beschreibt seine Zusammenarbeit mit Hetherington wie folgt: “Wir sind keine Aktivisten. Wir sind Journalisten. Wir wollen über die Welt berichten, so wie sie ist, damit sich die Leute ihre eigene Meinung bilden können.” Die Reaktionen in den USA waren äusserst emotional. Die Kriegsdebatte, die in den Medien und der Öffentlichkeit kaum mehr präsent war, wurde neu belebt. Es wurden gar Parallelen zum Engagement in Vietnam gezogen. Ebenso kam die Problematik der Kriegsberichterstattung zur Sprache: Wohin gehören Journalisten? Sollen sie als “Embeds,” also im engen Rahmen der Truppe, operieren, oder ist ihnen weitgehende Autonomie zuzugestehen? Wie lässt sich der Interessenskonflikt zwischen einem investigativen Journalismus und der “Operation Security” der kämpfenden Truppe regeln? In diese Diskussion ist mit Jungers 2010 erschienenem und 2011 ins Deutsche übersetztem Buch “War” eine weitere, wertvolle Grundlage gekommen. Es handelt im selben Rahmen wie der Film: im Dispositiv des angesprochenen Platoons. Der “Embed” Junger schreibt, die Zeit vor den Feuergefechten “beunruhigten mich eigentlich nie, denn ich vertraute den Männern um mich und konzentrierte mich gewöhnlich nur darauf, Deckung zu finden und die Videokamera in Bereitschaft zu haben. Die Kampfhandlungen selbst liefen schemenhaft und flüchtig ab; wenn ich mich auch nur an die Hälfte dessen erinnerte, was geschehen war, hatte ich Glück.” Hetherington und Junger, die beide schon Schlimmes in den Kriegsgebieten der Welt gesehen hatten, waren in Jungers Worten “völlig unvorbereitet, was das Ausmass an Gewalt betraf, die wir erleben sollten”. Im Korengal-Tal, so ein Soldat, “gibt es keinen Gott”.

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One Response to “Embeds” – die “eingebetteten” Kriegsreporter

  1. Hammond says:

    Das Konzept des “Embedding” kann ein paar Vorteile haben, bringt jedoch auch die Gefahr mit sich, dass man Kuckuckseier einfängt, welche dann die Berichte entsprechend ihrer Ideologie (ver-)drehen.

    Als alternatives Mittel um die Information-Schlacht – welche beim Vietnamkrieg einen Stellenwert erlangte – positiv zu beeinflussen, bieten sich u.a. selbst Videos auf YouTube zu veröffentlichen. Damit kann falschen Berichterstattungen & frei erfundnenen Behauptungen entgegen gewirkt werden. Aber auch da ist die Geschwindigkeit wichtig. Beispielsweise beim “Mavi Marmara”-Fall zählt für die Gewinnung der Information-Schlacht jede Stunde/Minute. Verspätungen erlauben es dem Gegner die öffentliche Erzählung mit Märchengeschichten zu füllen, welche dann nur teilweise und mit viel grösserem Effort aus der Welt geschafft werden können.

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