Teil 5: Zum Ewigen Frieden: Die Triade des demokratischen Friedens

von Seka Smith

Die Triade des demokratischen Friedens beinhaltet die Trinität erfolgsversprechender Friedenspolitik: Demokratie, Interdependenz und Internationale Organisationen.

Dieser Vorstellung liegt zugrunde, dass sich die drei Eckpunkte der Triade gegenseitig verstärken und auf die gesamte internationale Politik Einfluss nehmen. Das Konzept entfaltet seine pazifizierende Wirkung nicht nur auf der interdemokratischen Ebene aus, sondern auch auf der Beziehungsachse Demokratie und Autokratie.

Die „Republikanisierung“ von Staaten und Gesellschaften wird die Zahl der militärischen und gewalttätigen Konflikte reduzieren helfen, so Kant. Wir erinnern uns, dass, gemäß der Theorie des Demokratischen Friedens, Demokratien untereinander friedlich agieren und sich im gegenseitigen Konflikt deeskalierend verhalten, was aber wiederum nicht heißt, dass sie keine Kriege führen oder per se friedlicher als Autokratien sind.

Kooperationen auf internationaler Ebene haben den Vorteil, dass sie i.d.R. kein Nullsummenspiel sind. Der Gewinn einer Partei ist nicht zugleich der absolute Verlust einer anderen. Die Interdependenz verhilft den Staaten Opportunitätskosten einzusparen und parallele Interessen zu optimieren. So kann diese Abhängigkeit nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene Vorteile generieren (Beispiel: Europäische Union), sondern ebenfalls auf sozialem, politischen und kulturellen Gebiet seine Wirkung entfalten.

Kant

Kant wünschte sich einen Friedensbund von Staaten (foedus pacificum)

Interdependenz hat Handlungsänderungen von Akteuren und die Bildung von Synergien zur Folge. Akteure wenden sich vom egoistischen Selbstinteresse (kurzfristige Erfolge) ab und erkennen die positiven Effekte dauerhafter Kooperation (langfristige Erfolge). Um Abhängigkeit mittel- bis langfristig aufrechterhalten zu können, ist die Bildung von staatenübergreifenden Institutionen vonnöten. Sie verrechtlichen die getroffenen Vereinbarungen zur zukünftigen Zusammenarbeit. So ist es nicht verwunderlich, dass Kant sich für eine Föderation von unabhängigen Staaten ausspricht – einem foedus pacificum.

Interessant ist die Frage, ob die Triade des demokratischen Friedens auch unter der Bedingung gemischter Dyaden funktioniert und ob die Triade eine friedliche Koexistenz von Demokratien und Autokratien ermöglicht?

Insbesondere Internationale Organisationen vermögen in einer gemischten Dyade ihre pazifizierende Funktion erfüllen, indem sie das offenkundige Sicherheitsdilemma aushebeln. Die Selbsthilfe zur notgedrungenen/systemimmanenten Verteidigung der Eigeninteressen soll vermieden werden. Demokratien fühlen sich wegen der fehlenden gemeinsamen Werte- und Normenvorstellungen sowie institutionellen Gemeinsamkeiten von Autokratien bedroht. Die Verflechtung von heterogenen Dyaden in Internationale Organisationen, wie in die Vereinigten Nationen oder Welthandelsorganisation (WTO), Weltbank usw. – insbesondere sind hier alle ökonomischen/handelspolitischen Organisationen zu nennen –, bewirkt einen Rücklauf der Kriegsbereitschaft beider Regimetypen. Um einen wirksamen Dialog zu ermöglichen, bilden Internationale Organisationen gemeinsame Normen und Verfahren heraus. Sie forcieren die Strukturanpassung und Integration von (ungleichen) Systemen.

UNHaus

Das UN-Gebäude in New York vom East River aus gesehen

Konkret bedeutet das, dass heterogene Dyaden durch Internationale Organisationen einen Rahmen zur friedlichen Kommunikation erhalten. Die Bindung an Verfahrensregeln hat einen entscheidenden Vorteil für beide Regimetypen: sie können das Verhalten des jeweils dahingehend prognostizieren, dass sie i.d.R. keine feindlichen Handlungen erwarten müssen.

In einer anarchischen und dichotomischen Staatenwelt müssen Demokratien und Autokratien auf einen militärischen Konfliktaustrag vorbereitet sein. Beide Systeme stehen sich diametral gegenüber. Demokratien sind, wenn sie Krieg führen, geneigt, diesen schnell und mit möglichst wenig Verlusten zu beenden. Je länger der Krieg dauert und je mehr Todesopfer unter den eigenen Kräften zu beklagen sind, desto eher sinkt die Zustimmung der Bevölkerung zum Waffeneinsatz. Autokratien sind an einem langen Krieg mit einer Demokratie nicht interessiert, denn meistens stehen sie nicht einem demokratischen Gegner gegenüber, sondern gleich einem Bündnis. Demokratien und Autokratien neigen daher internationale Probleme innerhalb Internationaler Organisationen zu lösen als die militärischen, politischen und ökonomischen Kosten eines Krieges tragen zu müssen.

Kurzum, Demokratien sehen Internationale Organisationen als friedenserhaltende und –schaffende Maßnahme an, die zur Verdichtung von Interdependenz beitragen und gewaltfreie Kommunikationsformen ermöglichen – auch in heterogenen Dyaden.

 

Fotonachweis: UN-Gebäude: Gryffindor (CC-Lizenz)

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