Gladiatoren im Kalten Krieg: Die Stay-Behind-Netzwerke der NATO

Von Danny Chahbouni. Danny Chahbouni studiert Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg.

Emblem des italienischen Stay-Behind-Ablegers "Gladio"

Emblem des italienischen Stay-Behind-Ablegers “Gladio”

Der Kalte Krieg, die Blockkonfrontation zwischen Ost und West, war mehr als 40 Jahre lang Gestaltungsrahmen des internationalen Systems und entwickelte eine Totalität, die auf beiden Seiten häufig den Zweck über die Mittel des staatlichen Handelns stellte. Die aktuelle Krise um die Ukraine bescherte dem Kalten Krieg medial eine gewisse Renaissance, auch wenn solche Vergleiche nur oberflächlich überzeugen können. Dabei ist seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 eine ganze Generation junger Menschen herangewachsen, für die REFORGER-Übungen und Raketen-Stationierungen soweit aus ihrer Lebenswirklichkeit verschwunden sind, wie die Befreiungskriege gegen Napoleon oder der Sturm auf die Düppeler Schanzen (vgl. John Lewis Gaddis, “The Cold War. A New History“, Penguin, 2007).

Für den Historiker wirft diese Episode des 20. Jahrhunderts dagegen immer noch diverse ungeklärte Fragestellungen auf, vor allem was die Tätigkeiten der Geheimdienste angeht. Viele Archive sind nach wie vor verschlossen oder werden erst schrittweise erschlossen. Eines der mysteriösesten und für die westlichen Geheimdienste unrühmlichsten Kapitel dieser unvollendeten Geschichte bildet dabei das Phänomen der Stay-Behind-Netzwerke und ihrer Verwicklungen in den Rechtsterrorismus. Ein „Gentlemen’s-Business“, wie der erste Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Reinhard Gehlen, die nachrichtendienstliche Aufklärungstätigkeit in seiner Autobiographie charakterisierte, kann man hinter diesen Strukturen nur schwer erkennen (vgl. Reinhardt Gehlen, “Der Dienst“, Hase&Köhler, 1971).

 
Ein Netzwerk quer durch Europa
Die Idee ein klandestines Netzwerk einzurichten, welches im Falle einer Invasion Widerstandsgruppen aufbauen sollte, war dabei kein Auswuchs der Blockkonfrontation, sondern beruhte auf Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Für viele nord- und westeuropäische Länder kam der deutsche Blitzkrieg überraschend, da in den Jahren vorher weder in Frühwarnung noch an organisierte Widerstandsplanungen gedacht wurde. Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 hatte jedoch bereits 1938, nachdem das Deutsche Reich Österreich annektiert hatte, damit begonnen eine eigene Abteilung für den Guerillakrieg, die einfach Abteilung D genannt wurde, aufzubauen. Deren erste Aktionen bestanden darin, für den Fall einer deutschen Invasion geheime Waffenlager in Südengland anzulegen. Bereits 1940 wurde die Abteilung D, in das auf Veranlassung Churchills neu gegründete, Special Operations Executive (SOE) eingegliedert. Diese neue Organisation trug den verdeckten Widerstandskampf hinaus in die besetzten Länder.

Offiziell wurde die Organisation 1946 aufgelöst, gleichzeitig wurde jedoch im MI6 die Abteilung Special Operations neu gegründet. Die Briten bildeten somit die Keimzelle für den Aufbau eines Stay-Behind-Netzwerks in der NATO. Nachdem die Amerikaner ihre Ansichten über die Sowjetunion revidiert und 1947 mit der Central Intelligence Agency (CIA) einen neuen Geheimdienst für das aufgelöste Office of Strategic Services (OSS) etabliert hatten, beteiligten sie sich ebenfalls am Aufbau dieser Struktur in Europa. Noch bevor die NATO am 02. April 1949 gegründet wurde, gab es innerhalb der Westeuropäischen Union ein sog. Western Union Clandestine Committee, welches 1949 innerhalb der NATO-Struktur als Clandestine Planing Committee (CPC) weitergeführt wurde. Ein weiteres Gremium, welches einem bei Recherchen immer wieder begegnet, ist das Allied Clandestine Committee (ACC). Das ACC hatte innerhalb des SHAPE den Auftrag die Arbeit der nationalen Geheimdienste zu koordinieren und sorgte für die nötige Abstimmung beim Aufbau und Betrieb der Netzwerke. Dazu zählte auch, das Anlegen von versteckten Erddepots, in denen Waffen, Sprengstoff, Funkgeräte und teilweise Schmuck und Goldmünzen als Tauschmittel für den Kriegsfall versteckt wurden. Die Netztwerke sollten, wie der Name „Stay-Behind“ impliziert, sich von den sowjetischen Invasionsstreitkräften überrollen lassen und danach Anschläge, Sabotageakte, sowie Aufklärungs-, Evakuierungs- und Rettungsmissionen für wichtige Personen durchführen.

Beim Anschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna am 02. August 1980 starben 85 Menschen und mehr als 200 wurden verletzt. Die neo-faschistische, terroristische Organisation Ordine Nuovo wurde beschuldigt, den Anschlag verübt zu haben - wahrscheinlich mit der Absicht die Tat der linksextremen Szene in die Schuhe zu schieben. Ebenfalls wurden zwei Agenten des italienischen Geheimdienstes SISMI und der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, wegen Behinderung der Ermittlungsarbeiten verurteilt.

Beim Anschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna am 02. August 1980 starben 85 Menschen und mehr als 200 wurden verletzt. Die neo-faschistische, terroristische Organisation Ordine Nuovo wurde beschuldigt, den Anschlag verübt zu haben – wahrscheinlich mit der Absicht die Tat der linksextremen Szene in die Schuhe zu schieben. Ebenfalls wurden zwei Agenten des italienischen Geheimdienstes SISMI und der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, wegen Behinderung der Ermittlungsarbeiten verurteilt.

Die erste „Filiale“ dieses Netzwerkes, die in Europa angelegt wurde, war die italienische. Italien als Gründungsmitglied der NATO, hatte bereits seit 30. März 1949 einen militärischen Geheimdienst, den sog. SIFAR. Innerhalb des SIFAR war das Büro R für das Stay-Behind-Netzwerk zuständig, welches den Namen Gladio (= Kurzschwert vom lat. Gladius) erhielt. Die Mitglieder wurden deshalb auch als „Gladiatoren” bezeichnet. Gladio wurde zuerst 1990 durch den italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti offiziell bestätigt, weshalb der Begriff Gladio als Synonym für die anderen Stay-Behind Netzwerke benutzt wird. Offiziell waren die nationalen Netzwerke allerdings unabhängig und hatten daher überall andere Bezeichnungen. (vgl. Daniele Ganser, “NATO-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“, Orell Füssli, 2014, S.24-56)

 
Strategie der Spannung
Andreottis Offenlegung führte dazu, dass auch in den anderen NATO-Ländern und auf EU-Ebene die Parlamente hellhörig wurden und sich für Untersuchungen einsetzten. Das Europäische Parlament verurteilte die Existenz einer solchen Organisation, die über all die Jahre ohne parlamentarische Kontrolle bestanden haben soll. In der Bundesrepublik wurde die Existenz von einer Stay-Behind-Organisation zwar zugegeben, deren multinationale Vernetzung im Rahmen der NATO, oder gar eine Finanzierung durch die CIA oder den britischen MI6 jedoch geleugnet. Auf eine kleine Anfrage der damaligen PDS-Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke antwortete die Bundesregierung 1991, dass der BND ende der 50er Jahre ca. 75. Verbindungsführer, die insgesamt 500 Quellen betreuten, eingesetzt hatte. In der Antwort auf die Anfrage wurde weiterhin eingestanden, dass es im Rahmen dieses Netzwerkes bi- und multilaterale Kooperation gegeben habe und darüber hinaus, dass bis 1983 Teile der deutschen Stay-Behind-Organisation auch für Sabotageaktionen trainierten. Danach sei die Zahl der Verbindungsführer auf 25 verkleinert wurden.

Interessant ist dieser Sachverhalt vor allem vor dem Hintergrund der These, dass Teile des NATO-Netzwerkes in terroristische Aktivitäten verwickelt oder explizit dafür vorgesehen waren (vgl. dazu Ganser, 2014). Die Strategie dahinter soll darauf abgezielt haben, Stimmungen in der Bevölkerung zu manipulieren und Attentate der politischen Linken in die Schuhe zu schieben. Dieser Verdacht geht offiziell zurück auf eine Serie blutiger Anschläge in Italien zwischen den 1960er und den 1980er Jahren. 1984 sagte der italienische Rechtsextremist Vincenzo Vincinguerra aus, das er an verschiedenen Anschlägen beteiligt war, die durch Personen aus dem Umfeld des italienischen Militärgeheimdienstes SISMI gedeckt wurden. Das Ziel sollte sein, mit diesen Anschlägen die italienische Linke zu diskreditieren. Der zuständige Untersuchungsrichter Felice Casson konnte nach umfangreichen Recherchen derartige Verbindungen tatsächlich nachweisen. Die Folge dieser Ermittlungen war die Enttarnung des Stay-Behind-Netzwerkes Gladio, dessen Existenz Ministerpräsident Andreotti schließlich eingestehen musste.

In Deutschland gab es zwei Vorfälle, die einen Kontakt zwischen westlichen Geheimdiensten und Rechtsextremisten vermuten lassen. 1952 meldete sich der ehemalige SS-Mann Hans Otto bei der Polizei und sagte aus, das er Mitglied des Bundes Deutscher Jugend (BDJ), einer Vereinigung ehemaliger Nazis, sei. Der BDJ sei allerdings nur eine Tarnorganisation für eine Gliederung namens Technischer Dienst (TD). Dieser sei eine durch das amerikanische Counter Intelligence Corps (CIC) finanzierte Kampftruppe, die für einen Guerillakrieg im Falle einer sowjetischen Invasion vorgesehen ist. Die Truppe wurde im hessischen Wald-Michelbach in einem abgelegen Bauernhaus regelmäßig durch amerikanische Ausbilder trainiert. Bei der Durchsuchung des Anwesens fand die Polizei neben Waffen und Sprengstoff auch eine „schwarze Liste“, mit den Namen führender Köpfe der SPD, so u.a. Herbert Wehner und Erich Ollenhauer. Die Personen auf dieser Liste galten als politisch unzuverlässig und sollten im Kriegsfall unverzüglich ausgeschaltet werden. Der TD hatte dafür bereits mit eigenen „Agenten“ Teile der SPD infiltriert. Die Organisation wurde 1953 in einigen Bundesländern verboten, die Amerikaner gestanden eine Zusammenarbeit auch teilweise ein. Ermittlungsverfahren wurden nach Intervention amerikanischer Dienststellen zumeist eingestellt. Besonders unrühmlich ist die Verwicklung des “Schlächters von Lyon”, Klaus Barbie, der nicht nur als Agent für das CIC tätig war, sondern auch ehemalige Nazis für den BDJ rekrutierte. Im Dunkeln liegt bis heute, welche Rolle der BND-Vorläufer „Organisation Gehlen“ und die Verfassungsschutzämter als zuständige Inlandsnachrichtendienste in dieser Angelegenheit spielten.

Attentat auf das Oktoberfest in München 1980

Attentat auf das Oktoberfest in München 1980

Fast 30 Jahre später, am 26. September 1980, führte Gundolf Köhler, ein Student der vorher Kontakt zur Wehrsportgruppe Hoffmann hatte, einen Bombenanschlag auf das Oktoberfest in München durch. Bis heute war dies mit 13 Toten und über 200 Verletzten der schlimmste Anschlag, den es in der Bundesrepublik jemals gab. Für die Hinterbliebenen der Opfer und einige Journalisten gibt es bis heute diverse Ungereimtheiten in der Aufarbeitung des Falls. Im letzten Jahr führte dann plötzlich eine Spur aus Luxemburg zurück in die Bundesrepublik des Jahres 1980.

 
Der Bommeleeer-Prozess
1984 und 1985 wurde Luxemburg durch eine Reihe von Bombenanschläge auf Strommasten erschüttert. Außerdem wurde in einem Wald durch Radfahrer eine Sprengfalle entdeckt. Nach langen Jahren, in denen sich einige Legenden und Verschwörungstheorien entwickelt hatten, wurden im Jahr 2007 zunächst zwei ehemalige Polizisten der Brigade Mobile de la Gendarmerie (BMG), einer Spezialeinheit der Polizei, festgenommen. Diese sollten die Anschläge verübt haben. Als Motiv wurde vermutet, dass durch die Akte die Ausrüstung und das Ansehen der BMG erhöht werden sollten. Der Prozess gegen die beiden Angeklagten begann im Februar 2013 und macht seitdem als Bommeleeer (Bombenleger) Schlagzeilen in der luxemburgischen Presse.

Der Anwalt einer der beiden Verdächtigen, Gaston Vogel, hatte für seine Verteidigung einen besonderen Zeugen aus Deutschland gefunden, der seinen Mandanten entlasten konnte: Andreas Kramer. Kramer bezeichnet sich selbst als Historiker und gibt an, als Archivar im deutschen Bundestag tätig gewesen zu sein. Im März 2013 sagte er unter Eid aus, dass die Anschläge einen gänzlich anderen Hintergrund hatten. Sein Vater, ein ehemaliger Hauptmann der Bundeswehr, der anscheinend auch zum BND abgeordnet war, sei Operationsleiter für das Stay-Behind-Netzwerk gewesen und die Anschläge in Luxemburg waren nicht das Werk von Terroristen, sondern seien eine geheime Sabotage-Übung von Gladio gewesen. Kramer senior soll im Zuge dessen auch sehr gute Kontakte zum damaligen Chef des luxemburgischen Geheimdienstes, Charles Hoffmann, gehabt haben. Dieser habe das Treiben in seinem Land zunehmend kritischer gesehen, konnte aber nichts gegen den BND ausrichten, der innerhalb des ACC eine stärkere Stellung gehabt habe.

Gesprengte Strommasten in Luxemburg. Terrorserie oder Stay-Behind Übung?

Gesprengte Strommasten in Luxemburg. Terrorserie oder Stay-Behind Übung?

Was bis hierhin bereits sehr abenteuerlich klingt, bekommt noch eine andere Qualität: Kramer sagte im April 2013 nämlich weiterhin aus, dass sein Vater Urheber des Attentates auf das Oktoberfest war und mit Gundolf Köhler die Bombe gemeinsam in seiner Heimatstadt Donaueschingen baute. Das pikante: 1980 führte tatsächlich eine Spur von München zum Rechtsextremisten Heinz Lembke in die Lüneburger Heide. Mehrere Gesinnungsgenossen Lembkes sagten nach dem Attentat aus, dass dieser mehrmals Waffen und Sprengstoff angeboten habe. Lembke hatte außerdem Verbindungen zur Wehrsportgruppe Hoffmann. Eine Hausdurchsuchung bei Lembke blieb zunächst ohne Erfolg, ein Jahr später entdeckten Waldarbeiter jedoch ein verstecktes Waffendepot in der Nähe von Munster. Lembke verdiente sein Geld als Revierförster in diesem Gebiet. Nach seiner Verhaftung legte er weitere Depots offen und kündigte an, eine umfangreiche Aussage zu tätigen. Dazu kam es aber niemals: Er wurde am Morgen seiner Aussage mit einem Telefonkabel erhängt in seiner Zelle aufgefunden – offiziell ein Suizid.

Es ist ungeklärt, ob Lembke wegen seiner Tätigkeit als Revierförster durch einen Verbindungsführer des BND angeworben wurde, um geheime Waffenlager anzulegen. Dokumente der Funkaufklärung des MfS sollen zumindest belegen, dass in dem Gebiet Übungen von Stay-Behind-Agenten stattgefunden haben. Die Spur zum Oktoberfest-Attentat bleibt schwammig und kann nicht nachgewiesen werden. Andreas Kramer wird darüber hinaus als nicht sehr glaubwürdiger Zeuge eingeschätzt und verstrickte sich mehrmals in Widersprüche. Der Prozess in Luxemburg läuft allerdings weiter und führte dazu, dass die Bundesregierung erneut mit den Anfragen von Abgeordneten konfrontiert wurde. Das Portal Telepolis behauptet zudem, dass ihm Unterlagen des luxemburgischen Ministere d’etat vorliegen, die beweisen sollen, dass der BND an Übungen des Stay-Behind-Netzwerks in Luxemburg beteiligt war. Verifizieren lässt sich das freilich nicht. Die letzte Antwort der Bundesregierung ist vom März diesen Jahres. Darin findet sich u. a. eine detaillierte Auflistung des Inhaltes zweier im Raum Berlin gefundener Waffendepots:

5. Was genau war nach Kenntnis der Bundesregierung der Inhalt der Depots
(bitte Gegenstände und Anzahl pro Depot vollständig angeben)?

Der Inhalt des ersten Depots stellte sich wie folgt dar:
– 1 schwarzer Kunststoffbehälter mit Deckel und 6 Edelstahlschnappverschlüssen
– 2 Taschenmesser
– 1 Springmesser
– 1 Taschenlampe
– 1 Fernglas mit Ledertasche
– 1 Marschkompass mit Lederhülle
– 1 Taschenbuch „Im Gelände mit Karte und Kompaß“
– 3 Kugelschreiber
– 3 Bleistifte
– 1 Taschenflasche Weinbrand
– 2 Tafeln Vollmilchschokolade
– 1 Buch „Der totale Widerstand“
– 1 Buch „Gefechtstechnik Band 1“
– 1 „Taschenbuch für die Feldzeugtruppe“
– 1 „Taschenbuch der Luftfahrt 1954“
– 1 „Ergänzungsband 1955/57 zum Taschenbuch der Luftfahrt 1954“
– 1 Selbstladepistole, 9mm, mit 2 Magazinen (jeweils mit 8 Patronen)
– 1 Selbstladepistole, 9mm, mit einem Magazin (mit 13 Patronen)
– Karton mit 25 Patronen, 9mm
– 9 einzelne Patronen, 9mm
– 3 Glasfläschchen mit Medikamentenkapseln
– 1 Tube gefüllt mit Patronen Kaliber 22
– 1 Verbandkasten
– 1 Feuerzeug
– 1 Flasche für Feuerzeugbenzin (ausgelaufen)
– 3 Armbanduhren
– 1 „Taschenbuch der Panzer 1943-1957“
– 3 Handgranaten
– 4 Eisenbahnfackeln
– 1 Entfernungsmesser für Landkarten
– 1 Entfernungs- und Maßstabschablone
– 1 gefüllte Werkzeugtasche.

Antwort der Bundesregierung vom 03.03.2014, S. 3f.

 
Fazit
Das Stay-Behind-Netzwerk der NATO bleibt ein Mysterium des Kalten Krieges. Nachgewiesen werden kann, dass es entsprechende Strukturen gegeben hat, was in Anbetracht der Gefahr einer sowjetischen Invasion durchaus legitim und nicht verwunderlich ist. Ungeklärt bleibt allerdings, ob durch Initiative der CIA, des MI6 oder anderer westlicher Geheimdienste tatsächlich eine Strategie der Spannung verfolgt wurde, um linke Parteien und Regierungen zu diskreditieren. Ohne die entsprechenden Dokumente bewegt man sich im Bereich der Spekulation und stützt seine Argumentation auf Zeitungsberichte und fragwürdige Politikeraussagen, wie Daniele Ganser es in seinem oben zitierten Werk tut (eine ausführliche Review bietet das Journal of Intelligence History). Offenkundig ist unterdessen, dass vor allem durch die USA auch ehemalige Nazis für ihre Zwecke rekrutiert wurden. Wie diese Rekrutierungspraxis in der Organisation Gehlen bzw. dem BND weiterverfolgt wurde und inwiefern entsprechende Personenkreise möglichweise ihre neuen Positionen zur Verfolgung ihrer kruden politischen Ziele missbrauchten, könnte vor allem die unabhängige Historikerkommission zur Erforschung des BND klären. Haben möglicherweise, vermeintlich instrumentalisierte Extremisten, begonnen aus eigenem Antrieb zu handeln?

Vor dem Hintergrund des Attentates auf das Münchener Oktoberfest gibt eine konzertierte False-Flag-Aktion westlicher Geheimdienste zumindest keinen wirklichen Sinn. Zwar tobte der Bundestagwahlkampf zwischen Helmuth Schmidt und Franz Josef Strauß, bei dem auch Sicherheitspolitik eine große Rolle spielte, aber der Sozialdemokrat Helmut Schmidt galt keineswegs als sicherheitspolitisch unzuverlässig. Schließlich drängte er selbst seit 1977 auf die Raketen-Nachrüstung der NATO. Darüber hinaus wurde die Bundesrepublik seit über zehn Jahren von linksextremen Terroranschlägen überzogen. Warum also sollten westliche Geheimdienste das Risiko eingehen einen Anschlag in der Bundesrepublik zuinszenieren? Auf den Massenprotest der Bevölkerung gegen den NATO-Doppelbeschluss hatte der Terror der RAF keine Auswirkungen, die Angst vor dem Atom-Krieg war größer. Franz Josef Strauß wurde außerdem bereits zu seinen Zeiten als Verteidigungsminister von den USA als unberechenbarer Heißsporn eingeschätzt.

Ein endgültiges Fazit über das Ausmaß und die Verwicklungen des Stay-Behind-Netzwerks der NATO wird wohl erst möglich sein, wenn die entsprechenden Aktenbestände der westlichen Geheimdienste der historischen Forschung gänzlich zugänglich gemacht worden sind. Was allerdings fundamental erstaunt, ist die Nicht-Berichterstattung der deutschen Medien über den Prozess in Luxemburg, zumal man sich im Zuge des NSA-Skandals sowieso gerade auf die amerikanischen Geheimdienste eingeschossen hat.

 
Weitere Informationen

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