Rüstungsprogramm 2014

Anfangs März 2014 verabschiedete der Bundesrat das Rüstungsprogramm 2014. Mit 4 Beschaffungsvorhaben für 771 Millionen SFr liegt es vom Umfang her über dem Durchschnitt der letztjährigen Rüstungsprogramme, wenn die Beschaffung des Gripen E (Rüstungsprogramm 2012) als Ausreisser ignoriert wird. Neu werden mit dem Rüstungsprogramm auch drei Systeme zur Ausserdienststellung dem Parlament zur Bewilligung unterbreitet.

Die Rüstungsprogramme von 1995-2014 im Überblick. Das Rüstungsprogramm 2012 ist wegen dem Tiger Teilersatz d.h. der Beschaffung der 22 Gripen E, welche über einen Fonds finanziert wird, ein Ausreisser (Diagramm erstellt von Peter Platzgummer, Forscher an der HSG St.Gallen).

Die Rüstungsprogramme von 1995-2014 im Überblick. Das Rüstungsprogramm 2012 ist wegen dem Tiger Teilersatz d.h. der Beschaffung der 22 Gripen E, welche über einen Fonds finanziert wird, ein Ausreisser (Diagramm erstellt von Peter Platzgummer, Forscher an der HSG St.Gallen).

Mit 440 Millionen SFr stellt die Beschaffung der 1. Tranche des leichten Motorfahrzeugs geländegängig (L Motfz gelg) den grössten Posten im Rüstungsprogramm 2014 dar, gefolgt von dem Brückenlegesystem (Brül Syst) für 179 Millionen SFr, dem Rechenzentrum VBS / Bund 2020 (RZ VBS / Bund 2020) für 120 Millionen SFr und dem Laserschusssimulator für Kommandopanzer 6×6 und geschütztes Mannschaftstransportfahrzeug (LASSIM Kdo Pz 6×6 / LASSIM GMTF).

Basierend auf der Ende 2012 in beiden Räten angenommenen Motion “Ausserdienststellung von Rüstungsgütern” von Ständerat Paul Niederberger (CVP, NW) lässt der Bundesrat neu mit dem Rüstungsprogramm auch die Ausserdienststellung von Rüstungsmaterial vom Parlament bewilligen. Im vorliegenden Rüstungsprogramm 2014 sind dies die 54 Northrop F-5 Tiger, 96 Panzer 87 Leopard Konfiguration A4 (Pz 87 Leo A4) und 162 Panzerhaubitzen M109 KAWEST (Pz Hb M109 KAWEST).

1. Tranche des leichten Motorfahrzeug geländegängig (L Motfz gelg)
Bei diesem Vorhaben geht es um die Ersetzung der Steyr Daimler Puch 230 GE, welche mittlerweile gut 25 Jahre im Dienst stehen und in den Einheiten zur Verschiebung von Material, Einzelpersonen, Trupps oder gar Gruppen eingesetzt werden. Die Reparaturkosten dieser Fahrzeuge übersteigen die betriebswirtschaftlich vernünftige Grenze und Ersatzteil sind teilweise schwierig zu beschaffen, weil sie nicht mehr hergestellt werden. Als Ersatz sollen deshalb ab 2016 bis 2022 3’200 Mercedes-Benz G 300 CDI 4×4 beschafft werden, welche von aussen betrachtet dem Puch ähnlich sehen (siehe Bild unten) und mindestens während den nächsten 20 Jahre eingesetzt werden sollen. Im Gegensatz zum alten Puch, ist der neue Mercedes-Benz nicht nur geländegängig, sondern verfügt über einen permanenten Allradantrieb und kann Gewässer mit einer Wattiefe von bis zum 0,6 m überwinden. Um den Mercedes als Führungsfahrzeug der untersten Stufe einsetzen zu können, wird er ausserdem mit einer militärischen Funkanlage ausgestattet. Je nach Ausgestaltung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) sollen in einer zweiten Tranche noch einmal rund 3’200 Fahrzeuge beschafft werden.

Mercedes-Benz G 300 CDI 4×4

Mercedes-Benz G 300 CDI 4×4

 
Brückenlegesystem (Brül Syst)
Um die Mobilität der militärischen Verbände zu gewährleisten, muss die Armee die Fähigkeit aufweisen, Hindernisse oder Gewässer rasch überqueren zu können. Die Panzerbrücke 68 (Brü Pz 68) wurde Ende 2011 ausser Dienst gestellt und die Feste Brücke 69 musste aus Sicherheitsgründen Ende 2012 ebenfalls aus dem Verkehr gezogen werden. Mit dem Rüstungsprogramm 2011 bzw. 2013 wurden für insgesamt 259 Millionen SFr 16 Module Brückenmaterial und 24 Module Verlegefahrzeuge des Unterstützungsbrückensystem 45 m beschafft (die Auslieferung soll Mitte dieses Jahres beginnen). Damit wurde zwar die Feste Brücke 69 ersetzt, bei der Panzerbrücke 68 fehlte jedoch noch ein Nachfolgemodell. Deshalb sollen 12 überzähligen Panzer 87 Leopard A4 für 179 Millionen SFr mit einem Brückenlegesystem ausgerüstet werden. Damit können Radfahrzeuge bis max. 84 Tonnen und Kettenfahrzeuge bis max. 73 Tonnen (MLC 80) in kürzester Zeit Gewässer, Gräben usw. von max. 28 m Breite überwinden (zwei Konfigurationen sind möglich: 1×26 m oder 2×14 m). Bei der Brücke handelt es sich um die Schiebebrücke Leguan der Firma MAN Mobile Bridge, welche im April 2005 von Krauss-Maffei Wegmann übernommen wurde. Die Beschaffung soll zwischen 2015 und 2020 erfolgen und die Truppeneinführung ist für anfangs 2019 vorgesehen.

Träger- bzw. Verlegefahrzeug mit 26 m Brücke

Träger- bzw. Verlegefahrzeug mit 26 m Brücke

 
Rechenzentrum VBS / Bund 2020 (RZ VBS / Bund 2020)
Das Parlament bewilligte in der Herbstsession 2013 die Immobilienbotschaft des VBS 2013, in welcher das Rechenzentrum VBS / Bund 2020 mit 150 Millionen SFr den finanziell grössten Posten ausmachte. Dieser durch das Parlament bewilligte Kredit deckt jedoch nur die Erstellung eines vollgeschützten Rechenzentrums “FUNDAMENT” in einer Kaverne (erste Aufbauphase), nicht jedoch die für ein solches Rechenzentrum notwendige Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ab. Diese kostet noch einmal 120 Millionen SFr, welche im Rahmen des Rüstungsprogramms 2014 beantragt werden. Etwas mehr als ein Drittel des Betrages (46,9 Millionen SFr) soll für die Hardware, Software und Lizenzkosten der IKT und der Managementsysteme aufgewendet werden und ein weiterer Drittel der Kosten (43,9 Millionen SFr) fällt auf die Migration militärischer Systeme und Anwendungen. Der restliche Kredit verteilt sich auf kleinere Posten, wobei alleine die Rückstellungen für Teuerung und Risiko satte 12,1 Millionen SFr ausmachen. Um Geräte auf dem neusten Stand der Technik einsetzen zu können, wird die definitive Evaluation und die Beschaffung der IKT-Hardware erst kurz vor der Realisierung durchgeführt (vorgesehen ist eine Beschaffungsperiode zwischen 2016-2021). Sämtliche mit dem RZ VBS / Bund 2020 verbundenen Aufträge werden durch Schweizer Firmen wahrgenommen.

Laserschusssimulator für Kommandopanzer 6×6 und geschütztes Mannschaftstransportfahrzeug (LASSIM Kdo Pz 6×6 / LASSIM GMTF)
Die Schweizer Armee verfügt auf den Waffenplätzen Walenstadt und Bure je über ein Gefechtsausbildungszentrum (GAZ) für Verbandsübungen bis verstärkte Einheit in den Bereichen Gefecht und Häuserkampf. Dabei kommen Laserschusssimulatoren zur Anwendung, was die Lärmimmissionen einschränkt, den Verschleiss an Waffensystem verringert, den Munitionsverbrauch senkt und dadurch kostengünstig sowie effizient ist. Dabei simulieren Aktivsysteme für Waffen einen Schuss, indem ein Lasersender auf der Waffe bzw. Waffenstation ein optisches Signal ausstrahlt, dabei Ballistik und Vorhalt in Echtzeit mitberechnet sowie die Daten über den Schützen, das Kaliber der Waffe und die Zeitverhältnisse übermittelt. Passivsysteme bestehen aus Laser-Reflektoren und -Empfänger sowie einer Steuerelektronik, die in der Lage ist, die gesendeten Codes der verschiedenen Aktivsysteme zu decodieren und auszuwerten. Damit wird angezeigt, ob ein Treffer erzielt wurde oder nicht, und die Daten über den Schützen, die Zeitverhältnisse und die Wirkung festgehalten. Ein Treffer wird durch pyrotechnische Darstellung (oranger Rauch) oder Drehleuchte markiert.

Der mit dem Rüstungsprogramm 2006 zu einem Kommandopanzer (Kdo Pz 6×6) umgebaute Panzerjäger Piranha I 6×6 sowie die mit dem Rüstungsprogramm 2008, mit der Zusatzbotschaft zum Rüstungsprogramm 2010 und mit dem Rüstungsprogramm 2013 angeschafften 460 geschützte Mannschaftstransportfahrzeuge (GMTF) sind noch nicht mit einer LASSIM-Ausrüstung ausgestattet. Ein taktisch und gefechtstechnischer Einsatz dieser Systeme kann nur mit einer solchen Ausrüstung gewährleistet werden, wobei jedoch zu Ausbildungszwecke bloss 16 Kdo Pz 6×6 und 100 GMTF für 32 Millionen SFr ausgerüstet werden. Wie die übrigen Komponenten des LASSIMs wird auch diese Beschaffung bei RUAG Defence in Auftrag gegeben und wird zwischen 2016-2018 ausgeliefert werden.

 
Ausserdienststellung Northrop F-5 Tiger
Der Northrop F-5 Tiger wurde mit der Rüstungsbotschaft 1975 und dem Rüstungsprogramm 1981 beschafft, die Technologie stammt jedoch aus den Sechzigerjahren und genügt den heutigen Anforderungen für den Luftpolizeidienst und die Luftverteidigung nicht mehr. Der F-5 Tiger kann wegen seines veralteten Radars weder bei Nacht noch bei allen Wetterlagen eingesetzt werden, das Bordradar erfasst tiefer fliegende Objekte nicht, er hat bei der Bekämpfung von modernen Flugzeugn und Lenkwaffen keine Überlebenschance und an der Flugzeugzelle treten vermehrt Strukturschäden auf. Von den ursprünglich 110 Maschinen sind heute noch 54 im Einsatz, welche bis Mitte 2016 ausser Dienst gestellt und wenn möglich verkauft werden sollen. Anscheinend hat neben privaten Firmen (zu Ausbildungszwecken) auch die US Navy Interesse an einem Kauf und wenn alles nach Plan läuft, könnten die ersten 18 Stück noch im laufenden Jahr zu Geld gemacht werden. Pro Jet soll erfahrungsgemäss rund eine Halbe Million SFr zu holen sein (“Amerikaner wollen den Tiger kaufen“, Tagesanzeiger, 08.02.2014). Um den Verlust der 54 Northrop F-5 Tiger auszugleichen, sollen bei einem erfolgreichen Überwinden des fakultativen Referendums zum Bundesgesetz vom 27. September 2013 über den Fonds zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen am 18. Mai 2014 temporär acht Gripen C (Einsitzer) und drei Gripen D (Doppelsitzer) eingemietet werden, bis die momentan beantragten 22 Gripen E ausgeliefert werden. Die Patrouille Suisse, welche auf dem F-5 Tiger basiert, wird voraussichtlich neu die McDonnell Douglas F/A-18 C/D Hornet einsetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass die 22 Gripen E beschafft werden können. (“Patrouille Suisse soll vom Tiger auf F/A-18 umsteigen“, NZZ, 25.02.2014).

Durch die Ausserdienststellung werden jährlich 48 Millionen SFr eingespart (28 Millionen SFr für die Instandhaltung, 9 Millionen SFr Treibstoffkosten, 8 Millionen SFr Personalkosten und 3 Millionen SFr Betriebsaufwand), welche jedoch für die Überbrückungslösung Gripen C/D wieder aufgewendet werden müssen.

Ausserdienststellung Panzer 87 Leopard Konfiguration A4 (Pz 87 Leo A4)
Mit dem Entwicklungsschritt 08/11, mit dem die Armee stärker auf subsidiäre Einsätze zugunsten ziviler Behörden und weniger auf die klassische Landesverteidigung ausgerichtet wurde, legte der Chef der Armee Ende 2012 122 Pz 87 Leo A4 still. Von diesen sollen nun 96 Stück liquidiert werden. Ein Grund liegt darin, dass die Armee momentan den modernisierten Pz 87 WE (verfügt über ein verbessertes Sicherheitspaket für die Panzerbesatzung) einsetzt, die gesamte Ausbildung inklusive die Simulatoren auf den Pz 87 Leo WE ausrichtet und eine Zweiflottenstrategie nicht sinnvoll ist. Ausserdem können die im Rahmen der WEA vorgesehenen vier Panzerbataillone mit den momentan vorhandenen 134 Pz 87 Leo WE ausgerüstet werden. Bei einer Fortsetzung der Stillegung bis 2030 würden Kosten von 12 Millionen SFr für Wartung, Lagerplatz und Anpassung der Infrastruktur anfallen. Wollte man die 96 Pz 87 Leo A4 auf den neusten Stand bringen, so wäre eine Investition von 320 Millionen SFr notwendig, was jedoch keinen Sinn macht. 12 Pz 87 Leo A4 werden als Chassis für das neu zu beschaffende Brül Syst umgerüstet (siehe weiter oben).

Ausserdienststellung Panzerhaupitze M 109 KAWEST (Pz Hb M109 KAWEST)
Ebenfalls mit dem Entwicklungsschritt 08/11 wurden 162 Pz Hb M109 KAWEST stillgelegt. Hier stellt sich die gleiche Problematik wie bei den Pz 87 Leo A4. Die momentan eingesetzten 133 Pz Hb M109 KAWEST WE wurden modernisiert und reichen zahlenmässig aus, um die vorgesehenen vier Artillerieabteilungen der WEA ausrüsten zu können. Auch in diesem Fall lohnt sich eine Zweiflottenstrategie nicht und die Weiterführung der Stillegung bis 2025 würde ca. 5,6 Millionen SFr kosten.

Hauptquelle
Botschaft über die Beschaffung von Rüstungsmaterial 2014 (Rüstungsprogramm 2014).

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