Rezension: In geheimer Mission. Was Polizeispezialeinheiten im Kampf gegen Verbrechen und Terror erleben

von Seka Smith

 In geheimer Mission. Was Polizeispezialeinheiten im Kampf gegen Verbrechen und Terror erlebenDie Aufgabenspektren der Spezialeinheiten der Polizeien sind vielfältig. Ihre originäre Aufgabe hingegen ist Prävention und Gefahrenabwehr, wie z.B. die Absicherung von Staatsbesuchen, Beendigung von Geiselnahmen, Begleitung von Gefangenentransporten, Durchführung von Razzien oder einfach nur die Vollstreckung von Haftbefehlen.

Vom Schauspieler Kevin Spacey und seinem Film „The Negotiator“ fühlte sich Judith Grohmann insipirert das Buch “In geheimer Mission. Was Polizeispezialeinheiten im Kampf gegen Verbrechen und Terror erleben” zu schreiben.

Das Buch beginnt mit dem Vorwort des UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, dem Prolog und einer Einleitung. Die nächsten Kapitel bilden den Hauptteil des Buches. In den folgenden 16 Kapiteln beschreibt Grohmann dann die vielfältigen Einsätze von hauptsächlich europäischen Spezialeinheiten. Ausnahmen bilden Einsatzbeschreibungen in den USA, in Israel, Jordanien und in Russland.

Die Einsatzerzählungen sind sehr gut geschrieben. Die Zeilen lesen sich schnell und fliegen nur so vorbei. Grohmann versteht es hier ihre Leser in eine Welt voller Gefahren zu führen. Kein Drehbuchautor hätte die Buchstaben wohl besser zu packenden Erzählstücken weben, so bildreich in Worte setzen können. Man fühlt sie wie in einen Actionfilm versetzt. Aber hier entpuppt sich auch eine große Schwäche des Buches: mit Authentizität haben die Einsatzerzählungen nichts zu tun. Zu sehr sind sie mit Dialogen garniert, die schlicht den Protagonisten in den Mund gelegt worden sind (denn es ist nicht davon auszugehen, dass Grohmann tatsächlich die Mitschriften, die in unterschiedlichen Sprachen vorliegen, des Einsatzfunks jemals zu Gesicht bekommen hat).

Naivität & Überheblichkeit
Der Hauptteil des Buches ist spannend geschrieben, der Rest von Grohmanns Buch sprüht von Oberflächlichkeit, wie die Einleitung, oder aber von unerträglicher Selbstüberheblichkeit der Autorin:

Um […] über ihre […] Tätigkeiten zu sprechen, wurde ich zunächst überprüft. Das bedeutet, dass alle [sic!] Geheimdienste dieser Welt mich über Monate kontrolliert haben. Vermutlich tun sie das jetzt immer noch. Das ist kein Scherz (S. 18).

Aber zum Glück versteht Grohmann nach dem Verfassen des Buches nun besser, wieso Details der Einsätze nicht an die Öffentlichkeit dringen dürfen. Es würde den einfachen Bürger schlicht mit der gesamten Situation überfordern. Vielleicht müsste er sich sogar Gedanken jenseits seines Alltags machen:

Ich verstehe nun auch viel besser, warum Details nicht an die Öffentlichkeit dringen dürfen. Warum gewisse Einsätze einfach geheim bleiben müssen. Denn sonst würde uns das ständige kriminelle und terroristische Geschehen schlicht überfordern (S. 227).

Des Weiteren wird der Leser von der Ankündigung des Buches, “exklusiv aus der geheimen Welt der Eliteeinheiten” zu berichten, enttäuscht werden. Schnell entpuppt sich die “exklusive” Berichterstattung als ein kurzer Erlebnisbericht bei der Spezialeinheit EKO Cobra der österreichischen Polizei und Nacherzählungen von Einsätzen. Viel Neues erfährt man nicht. Wer also mehr zum Thema “Sondereinheiten der Polizei” erfahren will, ist mit folgenden Büchern besser beraten:

Weitere Informationen zu Grohmanns Besuchen bei anderen Spezialeinheiten finden sich im Buch von Grohmann nicht. Selbst der absolute Großteil der Fotos sind Pressefotos der Spezialeinheiten. Die Ankündigung ist gegenüber dem Leser enttäuschend – und dass obwohl Grohmann dies außdrücklich erwähnt:

Ich habe drei Kontinente bereist, um verschiedene Spezialeinheiten zu treffen. Ich bin mit ihnen zu Trainings gefahren, habe mir angesehen, wie sie sich auf Einsätze vorbereiten, wie sie ihre Mitarbeiter ausbilden, wie sie arbeiten […] (S. 39).

In diesem Zusammenhang kann die Danksagung der Autorin als Indiz gelten. An keiner Stelle erwähnt sie jemanden oder eine Organisation, die sie bei ihren Besuchen bei den angeblichen weiteren Spezialeinheiten unterstützt hat. Erwähnung finden das Bundesministerium für Inneres (Österreich), das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (Österreich) und die United Nations Organization in New York sowie zahlreiche Wirtschaftsunternehmen, die das Buchprojekt finanziert haben.

Fazit
Klappt man schließlich den Buchdeckel zu, erscheint es merkwürdig, weshalb ein Mann von solch hervorgehobener Stellung wie Ban Ki-Moon das Vorwort verfasst hat. Das ist ein schriller Gegensatz zur Würde des Amtes und dem Action- und Unterhaltungsbuch von Grohmann.

Das Buch “In geheimer Mission” ist wie ein Nebelwerfer: Wenn man die geheimnisvolle Nebelwand durchstößt, findet man in der Regel nichts mehr von Wert. Für das Buch heißt das: Nichts Neues, dafür aber viel Bekanntes. Wer sich tatsächlich für Sondereinheiten der Polizei interessiert, wird bei Grohmann ein unkritisches und oberflächliches Buch ohne Mehrwert finden. Wer aber auf Unterhaltung erpicht ist, wird daran seine Freude haben.

Grohmann, Judith (2013): In geheimer Mission. Was Polizeispezialeinheiten im Kampf gegen Verbrechen und Terror erleben. Riva. 230 Seiten. 19,99 Euro.

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2 Responses to Rezension: In geheimer Mission. Was Polizeispezialeinheiten im Kampf gegen Verbrechen und Terror erleben

  1. Robert Schröder says:

    Offensichtlich haben Sie, Herr Seka Smith, ein anderes Buch gelesen als ich. Ich kann ihren Ausführungen ganz und gar nicht zustimmen. Judith Grohmann hat nicht nur 16 weltweit aktive Top-Spezialeinheiten persönlich besucht und interviewt – was an sich schon eine Sensation ist, denn sie ist damit die erste Außenstehende weltweit, der ein Einblick in die Arbeit von Anti-Terroreinheiten gewehrt wurde. Sie hat in ihrem nun vorliegenden Buch die besten Einsätze dieser 16 Einheiten beschrieben und zwar in Thriller-Manier. Selbstverständlich hat sie mit den zuständigen Chefs und Mitgliedern der Einheiten gesprochen und auch die genauen Infos zu den Einsätzen erhalten. Das war ja auch Sinn und Zweck des Buches. Da die Autorin mehrere Sprachen beherrscht, konnte sie in den jeweiligen Landessprachen mit den Einheiten Interviews führen. Man erfährt sehr viel Neues, insbesondere aus Ländern wie Russland, Israel, Jordanien, den USA und vielen europäischen Ländern. Kein Buch, dass ich bisher zu diesem Thema gelesen habe, kann da mithalten (auch die von Ihnen zitierten SEK und sonstigen Bücher nicht. Tut mir leid.) Judith Großmanns Buch ist deshalb so wertvoll, weil es erstmals die Arbeit der Einheiten schildert und zwar aus deren Perspektive. Ihr Buch ist kein “langweiliges Sachbuch” geworden, sondern vor allen Dingen ein spannendes “Lesebuch” mit vielen Action-Sequenzen und tollen Schilderungen. Und nun warten wir, ihre Fans in Deutschland, schon auf den 2. Teil…

  2. Durch Zufall bin ich auf die Homepage http://www.offiziere.ch gestolpert. Als Leitender Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums werden meine Mitarbeiter und ich uns die Politikwissenschaftlerin, die angeblich “in der Politik arbeitet”, genauer ansehen.

    Denn: das Buch von Frau Grohmann ist gänzlich anders als in der sarkastisch-bösartig verfassten sogenannten “Rezension” dargestellt. Wenn Frau Seka Smith (die Verwendung eines Pseudonyms ist an sich schon sehr merkwürdig) wirklich in der Politik arbeiten würde, würde sie die Realität rezensieren und nicht auf Zwang boshaft und gemein sein. Experten aus dem Polizei- und Militärbereich rezensieren Frau Grohmanns Buch positiv, weil es das auch ist.

    Das Buch ist sehr gut recherchiert und brillant geschrieben. Es bringt die Realität auf den Punkt.

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