Urbane Räume der Zukunft: Sun Tsu und die Analyse des Geländes

von Oberstleutnant Alessandro Rappazzo (English version), Berufsoffizier der Schweizer Armee, Gruppenchef am Kommando Führungslehrgang II / Stabslehrgang I in Luzern und Autor des Buches “Mein Weg: Vorwärts“. Dieser Artikel ist Teil des Buches.

Die potenziellen “Schlachtfelder” sind im Wandel begriffen, auch abhängig von geopolitischen Faktoren und globalen Bedrohungsmustern. Die laufende Entwicklung der Umwelt zwingt jeden Chef, neue Sichtweisen zu prüfen. Das ist uns allen bekannt. Die Grösse künftiger Trends, z.B. die Megastädte, die Demographie, die Technologie und eine neue Generation von Menschen, treffen zunehmend unsere Gesellschaft. Vertikalisierung, Verdichtung, Verletzlichkeit, Globalisierung, Kulturen usw. werden mehr denn je unsere Analysen beeinflussen. Dieser Artikel soll den Leser motivieren, bei der militärischen Lagebeurteilung — und darin insbesondere bei der Beurteilung der Umwelt — bewährte Denkmuster zu verlassen und neue “Denk-Wege” einzuschlagen.

Eine zerstörte fiktionale Stadt im

Eine zerstörte fiktionale Stadt aus dem “Fallout-Universum” — so könnte eine durch Krieg verwüstete Megastadt aussehen.

 

Ausgangslage

Geopolitik: Grund zur Beunruhigung
Es ist eine Tatsache, dass sich die Welt in ständigem Wandel befindet. Das geopolitische Europa sieht sich einem wiedererwachenden Dualismus gegenüber, zwischen einem zynischer werdenden Russland und einem immer chaotischeren Westen. Der strategische Antagonismus in der Politik, der Wirtschaft und dem Militär hat die Schwelle zu einer neuen Ära überschritten (siehe dazu “Sicherheit Schweiz 2015“, Nachrichtendienst des Bundes, Mai 2015, S. 7f). Heute hat sich der Terrorismus gewalttätig Zutritt zur Geopolitik verschafft, auch dank der gezielten Nutzung der sozialen Medien, die von einem sogenannten “Kalifat” instrumentalisiert werden. Wir erleben hier eine sich im Fluss befindliche Wirklichkeit, die sich ständig verändert.

Ein von diesen Veränderungen nicht zu trennender Bestandteil ist zweifelsohne der Terrorismus dschihadistischer Prägung, der den gesamten Westen in Mitleidenschaft ziehen kann. Diese geopolitische Entwicklung schliesst Terrorismus, latenten Extremismus, Formen der modernen Spionage sowie die Proliferation von Waffen mit ein. Auch für die Schweiz sind diese Faktoren ein Grund zur Beunruhigung. Nach dem Fall der Berliner Mauer rangierte die Sicherheitspolitik an zweiter Stelle. In der Schweiz wurden sicherheitspolitische Themen aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage im Entwurf des Sicherheitspolitischen Berichts 2016 wieder aufgenommen und in den Vordergrund gerückt. Die Überarbeitung des Dokuments beruht auf der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Daraus geht hervor, dass sich die bisher stabilen langen Vorwarnzeiten tendenziell immer stärker verkürzen (“Sicherheit Schweiz 2015”, S. 8).

Realität: Die beiden Zwillingstürme "Momo" und "Uzeir" brennen in der Innenstadt Sarajevo's während des Bosnien-Krieges am 8. Juni 1992.

Realität: Die beiden Zwillingstürme “Momo” und “Uzeir” brennen in der Innenstadt Sarajevo’s während des Bosnien-Krieges am 8. Juni 1992.

Gelände: Faktor im Wandel
Die Beherrschung und die Kenntnis des Geländes ist heute noch fundamental im militärischen Denken verankert und kommt im Buch “Die Kunst des Krieges” häufig vor, wo Sun Tsu das Gewicht auf die Kenntnis und die Nutzung des Geländes legt. Heute sollte eine vertiefte Analyse des Geländes durchgeführt werden, welche auf der Unterschiedlichkeit der einzelnen Geländeformen und der Entwicklung dieser Räume beruht. Mit dem Bevölkerungswachstum, insbesondere in städtischen Gebieten und deren Vertikalisierung, verändern sich auch einzelne Analyse- und Beurteilungskriterien. Diese Kriterien sind nicht nur an die städtebauliche Entwicklung, sondern auch an die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaft, der Lebensbedingungen sowie der wirtschaftlichen und politischen Ressourcen gebunden. Aufgrund dieser Analysen stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, die alten Analysekriterien neu zu bewerten. Abgesehen von diesen Kriterien ist die Aufstellung der Kräfte, die in diesen Räumen eingesetzt werden, von Anfang an wichtig. Die Gesamtheit dieser neuen Analysen sowie das vertiefte taktische und technische Wissen der Akteure in diesen neuen Räumen müssen zu einer neuen Entwicklung des Kampfes in bebautem Gebiet führen.

Bedrohung: grundsätzlich hybrider Charakter
Heute wird die aktuelle Form der Bedrohung durch eine Komponente bestimmt, die als “hybrid” bezeichnet wird, nämlich: “Jegliche Bedrohung des Landes, bei der gleichzeitig und teilweise im gleichen Raum staatliche und nichtstaatliche Akteure alleine, koordiniert oder unter gemeinsamer Führung Ziele erreichen wollen und dazu reguläre und irreguläre sowie konventionelle und unkonventionelle Einsatzformen und Mittel miteinander verbinden und anwenden” (Schweizer Armee, “Mögliche Begriffsdefinition TF 17 / OF 17”, Mai 2015, nicht öffentlich verfügbar). Die militärische Analyse hängt von Faktoren ab, welche untereinander immer stärker vernetzt sind, wo die Unterscheidung zwischen “rot” und “blau” keinen Bestand mehr hat. Mit der hybriden Bedrohung muss heute im Falle eines Konflikts ein neuer Ansatz gesucht werden. Liang und Xiangsui schreiben in ihrem Buch, dass “zukünftige Kriege Dinge abverlangen werden, worauf der Grossteil der Soldaten nicht vorbereitet ist: unkonventionell geführte Kriege zu gewinnen und Schlachten ausserhalb der Schlachtfelder zu schlagen” (Qiao Liang und Wang Xiangsui, “Guerra senza limiti: L’arte della guerra simmetrica fra terrorismo e globalizzazione“, Libreria Editrice Goriziana, 2001, S. 25, Übersetzung durch den Autor). Dieses Zitat macht uns bewusst, dass es sich bei der hybriden Bedrohung tatsächlich um etwas Konsolidiertes in modernen Konflikten handelt. Die Lösung der Konflikte steht nicht mehr nur dem Militär, sondern auch anderen Kräften zu, welche in andere Sicherheitssysteme eingebunden sind.

Realität: Der strategisch wichtige Internationale Flughafen von Donetsk wurde während den Kämpfen zwischen pro-russische Rebellen und den Ukrainischen Streitkräften komplett zerstört.

Realität: Der strategisch wichtige Internationale Flughafen von Donetsk wurde während den Kämpfen zwischen pro-russische Rebellen und den Ukrainischen Streitkräften komplett zerstört.

 

Umgang mit dem “Gelände”

Hochhauslandschaften und Bevölkerung
Nach den obigen Ausführungen über die Faktoren und Analysen der neuen Entwicklung des Umfelds entsprechen diese Kriterien der Vertikalisierung und der Entwicklung der städtischen Gebiete auf
schweizerischem Territorium. Die Kontrolle von Städten wie z.B. Genf, Lausanne, Bern, Basel, Luzern, Zürich und St.Gallen kann nicht mehr so wie in Zeiten des Kalten Krieges erfolgen, sondern sie muss ständig an die neuen Formen der hybriden Bedrohung und an die kontinuierliche Veränderung der städtischen Gebiete angepasst werden. Faktoren wie die Globalisierung, die Technologie, die Entwicklung der Bevölkerung sind “fliessende Faktoren”, welche einen Einfluss auf die militärischen und zivilen Analyseelemente haben.

Militärischer Faktor
Die zukünftigen Territorialformationen müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass die Hauptanstrengungen vor allem auf die städtischen Gebiete entfallen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Schwerpunkte von militärischen Operationen hauptsächlich urbane Gebiete sein werden, wird die Entwicklung von Analyseinstrumenten, welche dieser Realität Rechnung tragen, notwendig machen. Schliesslich zeigen die folgenden Zitate deutlich auf, welcher der nächste Schritt bei zukünftigen Einsätzen und operativen Methoden in städtischen Gebieten sein wird.

Militärisch müssen wir so denken: “Megastädte zu ignorieren, bedeutet die Zukunft zu ignorieren.” (Chief of Staff of the Army, “Megacieties and the United States Army: Preparing for a complex and uncertain future“, Strategic Studies Group, Juni 2014). Zu unserer Sicherheit müssen wir folgende Überlegungen zur Kenntnis nehmen: “Ein Gegner kann seine strategischen Ziele auch durch eine Beeinträchtigung der für das Funktionieren der staatlichen Führung, der wirtschaftlichen Abläufe und des gesellschaftlichen Lebens zentralen kritischen Infrastrukturen erreichen. […] Ein solcher Angriff richtet sich nicht – wie in der Vergangenheit – […] primär gegen die Integrität des Staatsgebietes, sondern direkt gegen das ordentliche Funktionieren des Landes und seiner Institutionen bis hin zur Unterminierung der staatlichen Souveränität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.” (Sicherheitsverbund Schweiz, “Auslegung des Begriffs Verteidigung”, Bericht der Arbeitsgruppe Verteidigung, innere und äussere Sicherheit, Entwurf vom 31.03.2015, S. 4, nicht online; siehe auch Oberst i Gst Markus van Wijk, “Operative Schulung (III): ‘Defense’ in einem modernen Szenario“, Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift 09, September 2015).

Der Blick auf ein modernes urbanes Gelände erfordert eine neue Perspektive und eine spezifischere Analyse als der Blick auf ein klassisches Gelände. Die Beschreibung des Geländes mit der detaillierten Aufzählung der verschiedenen Räume, wie es Sun Tsu tut, ist auch heute noch gleich, aber mit den urbanisierten Räumen von heute. Wenn wir die DNA der urbanen Zentren verstehen, können wir die Bedrohungsfaktoren, mit denen wir konfrontiert werden könnten, besser identifizieren. Diese Faktoren sind in verschiedenen Formen anzutreffen, als klassische Bedrohung, religiöse Bedrohung, als ideologische Dispute, als wirtschaftliche Einschränkungen, Machtkonflikte, Naturkatastrophen, als von Menschen verursachte Katastrophen oder einfach als Implosion einer Gesellschaft.

Sicht auf Tokio vom Dach des „SkyTree“. Tokio ist momentan mit seinen Agglomerationen (37,8 Mio. Einwohner; rund 4,5 Mal die Schweiz) die grösste der Megastädte. Dagegen ist Zürich ein Winzling. (Foto: Yodalica, Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license).

Sicht auf Tokio vom Dach des “SkyTree“. Tokio ist momentan mit seinen Agglomerationen (37,8 Mio. Einwohner; rund 4,5 Mal die Schweiz) die grösste der Megastädte. Dagegen ist Zürich ein Winzling (Foto: Yodalica, Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license).

Grosse Agglomerationen
Die Bevölkerungsdichte in der Schweiz ist hoch. Dabei gibt es nicht nur Städte, sondern auch Agglomerationen: Zürich (1,28 Mio Einwohner), Basel (823’000), Genf (819’000), Bern (398’614) und Lausanne (389’614; Bundesamt für Statistik, “Räume mit städtischem Charakter der Schweiz“, 2012). Die Agglomerationen von Basel und Genf weisen gewisse Besonderheiten auf: “Die Schweiz weist eine vielfältige urbane Struktur auf, welche grosse Agglomerationen mit internationaler Ausstrahlung, aber auch kleinere, mit eher regionaler Bedeutung enthält.” (Bundesamt für Statistik, “Raum mit städtischem Charakter der Schweiz 2012: Eine neue Dimension der Agglomerationen und weiteren städtischen Raumkategorien“, BFS Aktuell, 18.12.2014, S. 3). Die wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten der fünf bedeutendsten Agglomerationen bestehen in einem hohen Prozentanteil der dort arbeitenden (79%) und lebenden (73%) Bevölkerung, was in Zukunft im Einzelnen klare Antworten zum Resilienzgrad und zur Antifragilität erfordert (Bundesamt für Statistik, “Raum mit städtischem Charakter der Schweiz 2012”, S. 2). Um diese Antworten zu erhalten, muss die Vergangenheit erforscht, die Gegenwart verstanden und die Zukunft geplant werden. Es handelt sich also darum, die DNA zu bestimmen, das heisst die Besonderheiten und Charakteristiken einer jeden Stadt bzw. Agglomeration zu erfassen. Wenn die DNA einmal mittels eines Audits ermittelt wurde, sind Szenarien für die Zukunft auszuarbeiten. Diese Szenarien bilden die Grundlage, um daraus Konsequenzen für die verschiedenen Interventionsbereiche in einzelnen Konflikten zu entwickeln.

Beschränken wir uns darauf, einige der Hauptfaktoren aus den vorangegangenen Ausführungen näher zu betrachten und kurz zu erklären:

  • DNA: individuelle Ausprägung: Jede Stadt hat ihre eigene Geschichte, ihre eigene Dimension der Existenz und des Lebens. Das zwingt zu differenzieren. Ausgangspunkt ist die Fähigkeit, das Wesen, ja den Kern einer Agglomeration zu deuten. Dazu müssen wir ihre Gene analysieren, die aus folgenden Faktoren bestehen: Bevölkerung, Bewegung/Ströme, Bedrohung, Territorium, Raumdichte, Densität, Kultur und Freizeit, Stadtorganisation (z.B. Kreis, Quartier).
  • Urban Audit: Resilienz und Antifragilität: Die nächste Phase erfordert einen Vergleich der einzelnen Faktoren. Die zuvor festgelegten Audits Demografie, Wohlfahrt, Pendelströme, Umfeld, Wirtschaft, Infrastruktur, Mobilität und Verkehr, hybride Bedrohung, Bildung und Erziehung, Ressourcen, Wachstum, und soziale Aspekte, Umwelt, politische Führung, können sich je nach Lage verändern und helfen uns, den aktuellen Zustand der in Augenschein genommenen Agglomerationen festzustellen. Die Ergebnisse fliessen in eine Matrix ein (Spannungsfelder: Wertschöpfung – Gemeinschaft – Lebensraum – Identität), um ein allgemeines, den Umständen entsprechendes Bild der Lage zu erhalten.
  • Szenarien: Triebkräfte des Wandels: Die Analyse der DNA, die Ergebnisse aus dem Audit erlauben uns, mittels der Faktoren Resilienzfähigkeit und Antifragilität mehrere Szenarien zu entwickeln, um die einzelnen Konflikte zu bewältigen.
Realität: Zerstörte Gebäude in Beirut nach dem Libanonkrieg 2006.

Realität: Zerstörte Gebäude in Beirut nach dem Libanonkrieg 2006.

Dieser analytische Prozess (DNA, Audit, Szenarien) ist das Ergebnis der interdisziplinären Arbeit zwischen den verschiedenen operativ tätigen Akteuren im Bereich der integrierten Sicherheit. Auf der Grundlage dieser periodischen Analysen – beispielsweise alle fünf Jahre – ist es möglich, klare Konsequenzen für alle Bereiche der integrierten Sicherheit zu ziehen. In diesem Zusammenhang sind folgende erste Überlegungen zu machen (nicht abschliessen):

  • Territorialformation — regional, aber nicht lokal: Als Partner der Kantone bleibt die Territorialformation ein fixer Bezugspunkt. Im Vorfeld ist die Präsenz dieser Einheit, je nach Analyse des Geländes, ein entscheidender Faktor, wenn bedenkt wird, dass ihr Einsatz hauptsächlich auf städtische Gebiete und Agglomerationen konzentriert ist. Die Typologie des Geländes (urban) und des Konflikts sind bestimmend für die Wahl der einzusetzenden Formation zur Bewältigung der Lage. Schlussendlich sollte die Rolle der Territorialformation der Zukunft in der periodischen Analyse der grossen Zentren liegen und zwar in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren, die auf dem Territorium präsent sind. Es geht daher um die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, indem noch effizienter und innovativer als bisher interagiert wird. Die Analyse der drei erwähnten Elemente (DNA, Audit, Szenarien) ist der Faktor, der es einem kleinen Land wie der Schweiz, das immer mehr zur urbanen Vertikalisierung gezwungen ist, ermöglicht, künftige Konflikte vorwegzunehmen und zu bewältigen.
  • Verteidigung — teilweise neu zu denken: Schliesslich müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass es sich um ein heisses Thema handelt, denn die Analysen dringen tief in die verschiedenen Aspekte unserer Gesellschaft ein. Die Entwicklung der Szenarien wird sicherlich Anlass zu Kritik von allen möglichen Seiten und aus verschiedenen Bereichen geben. Diese Wahrscheinlichkeit erschliesst sich auch aus dem bereits zitierten Bericht über das Verteidigungskonzept, wo es heisst: es gibt “primär staatspolitische und rechtliche Überlegungen, die zu Skepsis gegenüber einem neuen, erweiterten Verständnis von Verteidigung führen.” (Sicherheitsverbund Schweiz, “Auslegung des Begriffs Verteidigung”, S. 2).
  • Neue und alte Herausforderungen — Bereitschaft zu handeln: Wenn wir zukünftige Herausforderungen meistern wollen, müssen wir offen sein und intellektuell auf neue Szenarien des hybriden Spektrums vorbereitet sein. Wir müssen bereit sein, einen Konflikt auszutragen, der – gerade weil er auf jeden Aspekt des Lebens unserer Gesellschaft einwirkt – in einem Bereich angegangen werden könnte, der nicht vom klassischen militärischen Denken beherrscht wird: “Um über ihre Denkweise hinauszukommen, müssen daher die leitenden Militärs der heutigen Zeit in ihren Ansätzen auch tiefer gehen und präziser werden” (Liang und Xiangsui, “Guerra senza limiti”, S. 156, Übersetzung durch den Autor). Auch wenn der klassische Krieg nicht mehr im Zentrum unserer Ängste steht, so muss mit ihm immer noch gerechnet werden. Das bedeutet, dass jeder einzelne Brandherd (verschiedene Bedrohungsformen) zwingend unter Kontrolle gebracht werden muss: “Internationale bewaffnete Konflikte können auch mit Gewaltanwendung im Inneren beginnen.” (Sicherheitsverbund Schweiz, “Auslegung des Begriffs Verteidigung”, S. 2). Denn, wenn es richtig ist, dass der Krieg das Feuer ist, so stimmt es auch, dass ein Funke genügt, um es zu entfachen.
Realität: Aleppo im Oktober 2012.

Realität: Aleppo im Oktober 2012.

 

Fazit

Bei diesem Kurzessay geht es darum, die Bedeutung der neuen Räume zu definieren, deren DNA zu verstehen, mittels regelmässigen (Urban) Audits die Stärken und Schwächen zu identifizieren, um anschliessend Arbeitsszenarien zu entwickeln. Die Szenarien dienen später einerseits für die Ausbildung der verschiedenen Akteure und im schlimmsten Fall für die Bewältigung von ausserordentlichen Situationen. Als Zweites geht es darum, die Zusammenarbeit in den vorgeschlagenen Konzeptionen vermehrt mit allen beteiligten Akteuren festzulegen. Der letzte Punkt, der mir auch wichtig scheint, ist, die Menschen zu befähigen, die Veränderungen, welche durch die sichtbare Entwicklung der Gesellschaft entstehen, erfolgreich zu bestehen. Es geht nicht darum, sich neu zu erfinden, sondern unsere Standards auf die neuen Gegebenheiten zeitgemäss anzupassen.

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One Response to Urbane Räume der Zukunft: Sun Tsu und die Analyse des Geländes

  1. Interesting article!

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