Glücksgriff Ursula von der Leyen

Siegfried Stresing, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes (DFV).Ein Gastbeitrag von Siegfried Stresing, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes e.V. und ehemaliger Personaloffizier in der Luftwaffe (FlaRakRgt 1, Freising).

Ursula von der Leyen ist ein Glücksgriff für alle Soldaten der Bundeswehr
Als Ursula von der Leyen am 17. Dezember 2013 Verteidigungsministerin wurde, gab es gleich ein zweifaches Novum: zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik erhielt eine Frau dieses Amt und zum ersten Mal wurde einer ehemaligen Bundesfamilienministerin diese Führungsposition anvertraut.

Über viele Jahre hinweg konnten sich Familienpolitiker bereits an den Türen des Verteidigungsministeriums die Zähne ausbeißen. Das Problem lag nicht darin, dass es keine Versuche zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gab, sondern in der fehlenden familien- und arbeitnehmerorientierten Führungskultur vieler Bundeswehroffiziere. Soldaten hatten “Frontschweine” zu sein. Persönliche, gar familiäre Interessen gab es nicht. Diese Einstellung wirkt bis heute nach.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundeswehr lässt noch zu wünschen übrig (Bild: Bundeswehr/Bienert)

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundeswehr lässt noch zu wünschen übrig (Bild: Bundeswehr/Bienert)

Doch die Agenda, mit der die Verteidigungsministerin die Bundeswehr zu einem attraktiven Arbeitgeber machen will, steht auf einem breiten Fundament: auf den Berichten des Wehrbeauftragten, mehr als 200 Verbesserungsvorschlägen von Soldaten, Studien und zahlreichen Gesprächen mit externen Experten und Bundeswehrangehörigen.

General a.D. Harald Kujat - von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr, bis 2005 Vorsitzender des Militärausschusses der NATO.

General a.D. Harald Kujat – von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr, bis 2005 Vorsitzender des Militärausschusses der NATO.

Ich würde immer eine Mutter bevorzugen!
Harald Kujat, ex-Generalinspekteur und damit vormals ranghöchster Soldat der Bundeswehr, attestierte von der Leyen, dass sie die Bundeswehr wie eine Hausfrau führe, die ihre Kinder gut versorgt. Ehrlich gesagt, freue ich mich sehr darüber, dass eine Mutter von sieben Kindern das Kommando über die Bundeswehr erhalten hat, denn Mütter oder Hausfrauen sind die besten Managerinnen, die man haben kann! Jedes Unternehmen, das eine Stellenanzeige aufgibt, sollte nicht Frauen, sondern Mütter und Väter bevorzugen! Hausfrauen sind die Helden des Alltags! Sie sind Kommunikationsgenies, Organisationstalente und fördern mit besonderem Engagement den Nachwuchs. Kurzum: Jede Hausfrau, jede Mutter führt ein kleines und erfolgreiches Familienunternehmen. Sie sind Multitalente, die jede Aufgabe meistern – auch die Führung eines Verteidigungsministeriums.

Die Bundeswehr ist auf dem Weg ein modernes Unternehmen zu werden
Heute ist die Familien- und Arbeitnehmerorientierung mit Ursula von der Leyen endlich und direkt im Herzen der Bundeswehr angelangt – im Bundesministerium der Verteidigung. Für die Soldaten, und vor allem für die Mütter und Väter unter ihnen, hätte es keinen besseren Glücksgriff geben können, als eine ehemalige Bundesfamilienministerin zur Chefin zu bekommen! In den ersten Monaten ihres Amtes holte sie das auf, was in den letzten Jahrzehnten sträflich versäumt wurde und in vielen Unternehmen gängige Praxis ist: neue Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsmanagement, moderne Arbeitsplätze, eine solide Karriereplanung, eigene Kindertagesstätten und vor allem die Wertschätzung der eigenen Mitarbeiter im Spagat zwischen Familie, Freizeit und Beruf.

Führungskräfte sollen auch in Teilzeit arbeiten können (Bild: Bundeswehr / Kurtze)

Führungskräfte sollen auch in Teilzeit arbeiten können (Bild: Bundeswehr / Kurtze)

In den nächsten fünf Jahren sollen 100 Millionen Euro in die Attraktivitätsoffensive investiert werden – und das aus einem Etat, der im selben Zeitraum einen Umfang von 150 Milliarden Euro aufweisen wird. Das ist auch notwendig, wenn man auf dem freien Markt um die besten Köpfe konkurrierten will. Heute wird man keinen Abiturienten mit patriotischen Aufrufen in die Kasernen locken. Es zählen handfeste Argumente: Vereinbarkeit, Teilzeit, Arbeitsklima, Gehalt, Entwicklungschancen. Niemand will heute in Unterkünften ohne Internetanschluss und mit Massenduschen wohnen. Kaum jemand will seinen Kindern alle zwei Jahre einen Umzug erklären müssen, den Verlust von Freunden und den Wechsel der Schule.

260.000 Menschen arbeiten in der Bundeswehr und sie tragen für sich, ihr Land und ihre Familien eine große Verantwortung – und gerade deshalb ist die Familien- und Arbeitnehmerorientierung eine entscheidende Frage, die man beherzt mit dem Sachverstand einer ehemaligen Bundesfamilienministerin lösen kann.

Weitere Informationen
Interview mit Siegfried Stresing: “Auch für die Bundeswehr gilt: Familie geht vor! – Ein Interview mit dem Deutschen Familienverband“, offiziere.ch, 16.01.2014.

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DFV LogoDer Deutsche Familienverband (DFV) ist seit 90 Jahren der Familie verpflichtet und engagiert sich als gemeinnützige Organisation für Eltern und ihre Kinder. Der DFV ist der größte mitgliedergetragene Familienverband und hat u.a. die Einführung des Erziehungsgeldes, des Erziehungsurlaubs, die Wahlfreiheit in der Betreuung und die Anrechnung von Erziehungsjahren in der Rente verbandspolitisch begleitet. Der Deutsche Familienverband ist die politische Vertretung aller Familien in Deutschland.

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