Afrika, die neue Front im Drohnenkrieg

von Peter Dörrie. Peter Dörrie ist Gründer und Chefredaktor bei AfrikaEcho. If you don’t understand German, then check out “Africa’s Coming Drone Wars” about the same topic, also written by Peter Dörrie, published on “War is Boring”.

French Air Force Soldier guarding Harfang UAV Drones in Niger, March 2013.

French Air Force Soldier guarding Harfang UAV Drones in Niger, March 2013.

Die Regierung Nigers hat seit Februar diesen Jahres einen Eindruck von den Fähigkeiten amerikanischer Drohnen bekommen. Zwei MQ-9 Reaper UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) sind seitdem auf einer Basis in der Nähe der Hauptstadt Niamey stationiert, um die andauernden Operationen internationaler Truppen in Mali zu unterstützen. Die Drohnen sind unbewaffnet und “nur” mit Kameras und Sensoren ausgerüstet, aber Nigers Regierung hat offensichtlich Appetit auf mehr bekommen.

Damit ist sie in Afrika vermutlich nicht alleine, und das ist leicht nachzuvollziehen. Viele afrikanische Staaten haben riesige, aber weitgehend spärlich besiedelte Territorien. Das nutzen bewaffnete Gruppen aus, die hier Rückzugsräume finden. Einige Gruppen, wie etwa Al Qaeda im islamischen Maghreb (AQIM) oder Al Shabaab haben es in den letzten Jahren in die internationalen Schlagzeilen geschafft, indem sie zeitweise große Gebiete in Mali und Somalia den eigentlichen Regierungen streitig machten (und immer noch tun).

I would really welcome armed drones to shoot down drug traffickers, and all those who live from activities linked to drug trafficking. I don’t see why that shouldn’t be possible. — Mohamed Bazoum, nigrischen Außenminister, zitiert in Daniel Flynn and Abdoulaye Massalatchi, “Niger would welcome armed U.S. drones: foreign minister“, Reuters, 18.09.2013.

Das hätte die amerikanische Regierung wohl nicht allzu sehr gestört (man vergleiche etwa die Reaktion auf die Lage in der Zentralafrikanischen Republik), aber AQIM und Al Shabaab gehören zum weltweiten Al Qaeda Netzwerk und Mitglieder der Organisationen waren an schweren Anschlägen im Ausland beteiligt. Andere bewaffnete Gruppen — sowohl Islamisten, als auch andere — haben es ebenfalls geschafft, auf das Radar von Washington zu gelangen. So ist mit Boko Haram eine weitere islamistische Gruppe in einen offenen Krieg mit der nigerianischen Regierung verwickelt während die Lord’s Resistance Army vor allem wegen Entführungen von Kindern die Aufmerksamkeit mächtiger Lobby-Gruppen in den USA erregt hat. Auch die Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Regierung im Kongo bereitet den Amerikanern Sorge. Darüber hinaus gibt es Gruppen, die zwar nicht direkt amerikanische Interessen bedrohen, aber lästig für wichtige Verbündete auf dem Kontinent sind — ein Beispiel hier ist etwa die Oromo Liberation Front in Äthiopien.

An MQ-9 Reaper waits out a haboob beneath a shelter, Sept. 8, 2008. Haboobs are sandstorms that result from the collapse of thunderstorm cells. Photo: U.S. Air Force.

An MQ-9 Reaper waits out a haboob beneath a shelter, Sept. 8, 2008. Haboobs are sandstorms that result from the collapse of thunderstorm cells. Photo: U.S. Air Force.

Die perfekte Waffe
Gegen diese Art Gegner sind Drohnen die perfekte Waffe. UAVs können in Afrika von regionalen Basen aus arbeiten, denn Rebellengruppen haben selten die Kapazität diese schwer befestigten Stützpunkte direkt anzugreifen. Rebellen haben außerdem in der Regel keine Luftwaffe oder auch nur eine fortschrittliche Luftabwehr — überlebenswichtig für die langsam fliegenden und weitgehend wehrlosen Drohnen. Diese nehmen Rebellengruppen dabei einen ihrer wichtigsten Vorteile: die Freiheit, sich unentdeckt durch schwieriges Terrain zu bewegen.

Gegen die meisten anderen möglichen Gegner amerikanische Streitkräfte sind Drohnen dagegen nutzlos. Dem Iran gelang es etwa, eine der fortschrittlichsten U.S.-Drohnen durch eine Maipulation ihres Navigationssystems zu Boden zu zwingen — mit minimalen Schäden. Der chinesischen Armee würde ohne Zweifel ähnliches gelingen, auch wenn hier viel eher diplomatische Risiken einem Einsatz zu Spionagezwecken entgegenstehen. Im Kriegsfall hätten die meisten regulären Armeen heute die technischen Möglichkeiten, Drohnen zu entdecken und abzuschießen. Chinas weit entwickelte Raketentechnik würde selbst die Basis der unbemannten Flieger im Kriegsfall verwundbar machen.

Nein, die Zukunft der Kriegsführung mit Drohnen liegt in Afrika und sie hat schon längst begonnen. Sowohl bewaffente, als auch unbewaffnete Drohnen operieren seit einigen Jahren von Camp Lemonnier in Dschibuti aus, der einzigen permanenten amerikanischen Basis auf dem Kontinent. In jüngerer Zeit haben die USA außerdem mehrere kleinere Basen in Äthiopien eröffnet, ebenso auf den Seychellen und vermutlich auch in anderen ostafrikanischen Ländern. Niger ist die erste Entsendung der UAVs nach Westafrika und von der strategisch optimal gelegenen Basis bei Niamey könnten die Reapers praktisch alle Länder West- und Zentralafrikas erreichen.

Nigers Regierung und französische Kommandeure, mit denen die USA im Kampf gegen AQIM in Mali Kooperieren haben sich von den Überwachungskapazitäten der Reapers beeindruckt gezeigt. Dass die Amerikanische Regierung aber den Wünschen ihrer nigrischen Partner entsprechen und bewaffnete Drohnen gegen Schmuggler schicken wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Nicht überraschen würde es hingegen, wenn in den nächsten Monaten mehr der unbemannten Flugzeuge in Niamey stationiert würden, oder bewaffnete Varianten gegen besonders wichtige Ziele in der Region vorgehen würden. Das Pentagon war auf Nachfrage aber zu keiner dieser Möglichkeiten zu einem Kommentar bereit.

The U.N. mission in Mali (MINUSMA) is supported by U.S. drones. Photo: Chadian UN peacekeepers patrol the area outside the Chadian Base where the military delegation from Bamako is meeting with Commander of Chadian UN peacekeepers Gen. Moussa in Tessalit, North of Mali (Marco Dormino / MINUSMA).

The U.N. mission in Mali (MINUSMA) is supported by U.S. drones. Photo: Chadian UN peacekeepers patrol the area outside the Chadian Base where the military delegation from Bamako is meeting with Commander of Chadian UN peacekeepers Gen. Moussa in Tessalit, North of Mali (Marco Dormino / MINUSMA).

Ungewünschte Nebenwirkungen
Mittels Drohnen die eigene Sicherheitsagenda in Afrika durchzusetzen ist natürlich für die USA eine attraktive Möglichkeit, um (politisch und militärisch) riskanten direkten Konfrontationen mit bewaffneten Gruppen aus dem Weg zu gehen. Wenn die USA gleichzeitig, etwa durch teilen von gewonnen Erkenntnissen, afrikanische Verbündete enger an sich binden können, umso besser.

Aber diese Strategie birgt auch Risiken. Während Regierungen von den Möglichkeiten amerikanischer Drohnen begeistert sind, ist das Bild dieser Waffen in der breiten Bevölkerung vor allem durch den fragwürdigen Einsatz von Drohnen in Pakistan geprägt. Besonders in vielen muslimischen Gemeinschaften in Afrika ruft der Einsatz von Drohnen negative Emotionen hervor. Radikale Gruppen könnten enorme Image-Gewinne aus dem Einsatz von bewaffneten Drohnen ziehen, besonders wenn es dabei zu zivilen Opfern kommt.

Und dann ist da noch das Problem des “Mission creep“. Statements von Nigers Außenminister legen nahe, dass amerikanische Drohnen schon heute nicht nur für die Jagd auf Terroristen, sondern auch zur Überwachung der malisch-nigrischen Grenze eingesetzt werden. Zwar stehen diese Mission durchaus in Verbindung miteinander — AQIM unterhält ein weit ausgedehntes Schmuggelnetzwerk in Westafrika — aber die Vermengung amerikanischer Militärmissionen mit staatlichen Aufgaben in afrikanischen Staaten riskiert, die USA zur Partei in nationalen politischen Auseinandersetzungen zu machen. Militante Gruppen weit jenseits des islamistischen Spektrums könnten ein zu enge Verflechtung zwischen ausländischen Interessen und der Regierungpolitik zum Anlass nehmen, um amerikanische Einrichtungen oder Zivilisten zum Ziel zu erklären.

Amerikanische Politiker sollten außerdem die Effektivität ihrer Kriegsspielzeuge zur Lösung komplexer Probleme nicht überschätzen. Zwar geben Drohnen den USA und ihren Verbündeten einen militärischen Vorteil in asymmetrischen Konflikten, aber sie werden die zu Grunde liegenden sozialen und politischen Probleme nicht lösen können. Langfristig können auch Drohnen nur Lückenbüßer sein, die im besten Falle die Situation nicht verbessern und im schlimmsten US-Interessen gefährden, wenn sie nicht im Dienste einer intelligenten Außenpolitik stehen.

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